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Die Geschichte des Gins – Teil 4

Posted in Zutaten on July 11th, 2010 by Fabian – 1 Comment

1700 – 1770 Der wachsende Konsum von Genever

Die starke englische Subventionierung des Exports von Malz in die Niederlande bildete die Grundlage für den raschen Anstieg der Produktion von Genever in Schiedam während des 18. Jahrhunderts. Die Stadt ist durch ihre Lage an der Mündung der Mass in die Nordsee, unweit von Rotterdam, dem größten Korn Hafen der damaligen Zeit, bevorzugt für die Herstellung von Getreidebränden. Die Amsterdamer „Niederländische Ostindien-Kompanie“, das erste weltweite multinationale Unternehmen, lieferte die pflanzlichen Stoffen, die zu Herstellung von Genever erforderlich waren.

Die Zahl der Brennereien in Schiedam stieg von 34 im Jahr 1700 auf 121 im Jahre 1730. In den frühen 1770er Jahren wurde etwa 85% des weltweit verfügbaren Genever in Schiedam erzeugt und in die Märkte nach England, Frankreich, Spanien, Ost-und Westindien und Nordamerika exportiert. Der Höhepunkt wurde im Jahre 1881 mit 394 Brennereien in Schiedam erreicht. Heute sind lediglich vier Brennereien in Schiedam ansässig.

1720 – The british Mutiny Act

Der Mutiny Act war ein Gesetzt, das über Jahre immer wieder geändert und erweitert wurde. 1720 wurde es zu Gunsten der Brenner in England geändert. In den Jahren zuvor wurden Sie gezwungen die arbeitslosen Soldaten, die aus den Kriegen heimkehrten, in ihren Häusern unter zu bringen und sie zu beschäftigen. Die Änderungen erlaubte es den Brennern die Soldaten nicht weiter für die Destillation beschäftigen zu müssen. Die ungeliebten Gäste im eigenen Haus mussten nicht mehr geduldet werden. Diese Reform weckte in den Brennern neu Motivation. Viele der Besitzer der Destillen entschlossen sich daraufhin ihren eigenen Gin her zu stellen.

1717-1757 – London’s Gin Craze

Die Auswirkungen des Gins auf die Londoner Bevölkerung sind mit der des Cracks in den amerikanischen Ghettos vergleichbar. Die Zeit in der Gin in Großbritannien seinen Höhepunkt erreicht hatte ist heute als „Gin Craze“ bekannt. Im 18. Jahrhundert waren vor allem die armen Schichten der Londoner Bevölkerung von Gin abhängig.

London ’s Gin Verbrauch erreichte im Jahre 1743 ihren Höhepunkt und trotz des Gin Gesetztes von 1751 sank der Konsum bis 1757 nicht. Bis zu dem Zeitpunkt als erste Missernten die Herstellung von Gin auf natürliche weise beschränkte. Gin half den Armen des 18. Jahrhunderts ihr Elend und ihre Not zu vergessen. Es war ein starkes „Medikament“, das billig und leicht verfügbar war. Ein viel zitiertes Ladenschild von Tobias Smollett ’s aus „History of England” lautet: “Trinken für einen Groschen, betrunken für zwei Pence, sauberes Stroh umsonst.“

Straßenhändler verkauften billigen Gin von ihren Wägen und Schwarzbrenner verwendeten tödliche Zutaten wie Terpentin und Schwefelsäure, um ihre Produkte trinkbar zu machen. In den Seitenstraßen und Hinterhöfen in Londons Gettos, verbrachten Männer und Frauen die Nacht bewusstlos auf Stroh wo sich das Aroma des Gins mit Erbrochenem mischte.

1723 – 1757 – Mother’s Ruin

Im Jahr 1723 übertraf die Sterblichkeitsrate in London die der Geburtenrate, was sich weitere zehn Jahre nicht änderte. Nicht weniger als 75% der Neugeborenen starben vor dem fünften Lebensjahr. Gin wurde für die geringe Fruchtbarkeit der Frauen verantwortlich gemacht.

Frauen die von der Gin sucht besessen waren, vernachlässigten ihre Kinder oder stellten sie mit diesem ruhig. Kinder wurden mit Behinderungen und Symptomen der Alkoholsucht geboren.  Mehr Frauen als Männer erlagen der Gin sucht weshalb sie sich Spitznamen wie “Ladies Delight”, “Mother Gin” oder “Mis Genever“ verdienten. Der Begriff „Mother’ s Ruin ” besteht bis heute.

1726 – Gründung von Boord Gin

Boord´s Gin

Die Londoner Firma Boord wurde 1726 gegründet. Über ein Jahrhundert später wird die Marke  für seine Old Tom Gin und ihre Marke Cat & Barrel berühmt.

1729 – Der 1. Gin Act

Der steigende Grad an Trunkenheit unter den Armen und die schockierende Auswirkungen von  schlecht destilliertem Gin führte zur Einführung des 1. von 8 Gin Gesetzten. Diesen Gesetzten wurden offiziell andere Namen gegeben den einige wurden in andere legislative Gesetzte eingebunden. Heute sind sie jedoch allgemein als Gin Gesetzte bekannt. Das 1729 erste eingeführte Gesetzt beschränkte den Verkauf von Gin durch Erhebung von Steuern und die Ausgabe von Lizenzen für den Verkauf. Ein großer Fehler im Gesetz definiert Gin als Spirituose, aus Wacholderbeeren, der andere Früchte, Gewürze und Zutaten beigefügt wird. So wurde das Gesetzt überlistet, indem man diese Zutaten nicht beigab, das Ergebnis war so genannten “Parlamentarischen Brandy”.

Legitime Brenner wurden in hohem Maße durch dieses Gesetz bestraft, während illegalen Brennereien weiter ihrem Geschäft nachgingen konnten. Dieses erste Gin Gesetz war der Beginn einer Auseinandersetzung zwischen den Befürwortern des mäßigen Konsum von Gin, den Großgrundbesitzern, Landwirten und Brennern, sowie den folgenden Regierungen. Bis hierhin scheint es so als hätte dieses Gesetzt  nicht viel geändert. Jedoch trugen die Einnahmen aus der Steuer dazu bei dem Britischen Empire zu wachsen.

Die Geschichte des Gins – Teil 3

Posted in Zutaten on June 8th, 2010 by Fabian – Be the first to comment

1690 – The Distilling Act

Die Herstellung von Gin wurde im Jahre 1690 von dem britischen Parlament erleichtert. Das Gesetz zur Förderung des Destillierens von Branntwein und Spirituosen aus Getreide. Es ermöglichte jedem die Destillation von Getreidespirituosen. Damit sollten die englischen Brenner gefördert werden, um die Lücke, die durch das Importverbot des französischen Brandys hervorgerufen wurde, zu schließen. Es wurde zudem eine geringe Steuer auf Alkohol erhoben, um den Krieg des Königs zu finanzieren. Von diesem Gesetz profitierten jedoch nicht nur die Brenner sondern auch die englischen Bauern, die ihre Überschüsse an produziertem Getreide an die Brenner verkaufen konnten. Damit konnten die Bauern höhere Pachten für ihr Land bezahlen. Wie es der Zufall wollte waren zu dieser Zeit die beiden Häuser des britischen Parlaments vorwiegend von den Grundbesitzern an die, die Bauern ihre höheren Mieten bezahlten, besetzt. Der König benötigte unbedingt die Stimmen aus den beiden Häusern, um seinen Krieg gegen Frankreich weiter fortsetzen zu können.

1691 – Tonnage Act

Ein weiterer Krieg trug zum Aufstieg des Gins bei – der Krieg der Grand Alliance (auch bekannt als die Liga von Augsburg). Wie die vorangegangenen Kriege, hinterließ auch dieser im britischen Haushalt seine Spuren. Was 1694 zur Gründung der Bank of England und dem Beschluss des „Tonnage Act“ führte. Dieses Gesetz ermöglichte der Regierung Zölle auf Schiffe nach ihrer Tonnage zu erheben, ebenso auf Bier und anderen alkoholischen Getränken. Die Besteuerung von Bier erhöhte den Preis in drastischem Maße, sodass es kaum einen Unterschiede machte Bier oder Gin zu trinken. Viele Menschen in der Bevölkerung wurden dadurch ermuntert zum ersten Mal Gin zu probieren und er gefiel.

Durch dieses Gesetz wurde die Herstellung von Destillaten weiter vereinfacht, jeder konnte Spirituosen herstellen. Er musste dies nun in einem Zeitraum von zehn Tagen, bevor man mit der Herstellung begann, öffentlich bekannt geben.

1695 – Die Gründung von De Kuyper

Berühmt für seinen Genever und seine Liköre, wurde die niederländische Firma De Kuyper im Jahre 1695 gegründet. Der frisch verheiratete Petrus de Kuyper gründete die Firma in Horst in Limburg im Süden der Niederlande. Ursprünglich war De Kuyper ein Hersteller von „kuipen“ (Holzfässer für den Transport von Genever und Bier).

Im Jahre 1729 zog Jan de Kuyper  (dritter Sohn von Petrus) mit seiner Frau Anne Custers nach Rotterdam und eröffneten dort einen Krämerladen

Es gibt bis heute keinen Nachweis darüber, ob dieses von Jan de Kyper eröffnete Geschäft mit Spirituosen handelte. Im Jahre 1752 übernahm Jan de Kuyper eine Destillerie, im damaligen Zentrum der Genever Herstellung, in Schiedam. Diese Distilerie verkaufte er zwei Jahre später. Die Familie de Kyper war aber zum Herstellen von Spirituosen bestimmt. Die zwei Söhne von Jan de Kyper, Johannes und Peter, die bis 1769 mit Brandy gehandelt hatten, gingen eine Partnerschaft ein um eine Destillerie in Rotterdam zu kaufen. Dies war die Basis für das bis heute in der 10. Generation betriebene Familien-Unternehmen.

1702 – Brandy Nan

Im Jahre 1702 erhielt Queen Anne den Beinamen “Brandy Nan”. Sie war für ihrer Vorliebe von Schnaps gemischt im kalten Tee, den sie aus einer scheinbar unschuldigen Teekanne trank, bekannt.

Queen Anne erhöhte unabsichtlich die Produktion von Gin, indem Sie die Urkunde, die von Charles I, der Worshipful Company of Distillers, über die Gewährung der alleinigen Rechte in den Städten von Westminster, London und im Umkreis von 21 Meilen Getreide zu destillieren, entzog. Hunderte von „backstreet“ Brennereien entstanden und innerhalb einer Generation ertranken sich die Londoner Slums mit Gin. Erst mit dem gänzlichen Widerruf der „Distillers Company Charta“ konnte man die Qualität der produzierten Spirituosen wieder sicherstellen.

1714 –  Die erste schriftliche Erwähnung des Wortes Gin

Die erste bekannten schriftlichen Erwähnung des Wortes Gin, kann man in dem Buch “The Fabel of the Bees, or Private Vices, Publick Benefits “von Bernard Mandeville aus dem Jahre 1714 finden. Er schrieb: “Der berüchtigte Schnaps, dessen Namen deriv ‘d, von Wacholderbeeren aus dem Niederländisch abgeleitet, ist, ist in heutiger Zeit durch häufigen Gebrauch … zu einem Wort, von mittlerer Länge, nämlich Gin geschrumpft.” Übrigens, die niederländische Bezeichnung “Genever” oder “Jenever” wurde dem alten französischen Wort „Genevre“ entlehnt (modern Französisch Genievre,) was soviel wie “Wacholderbaum” bedeutet, dass sich wiederum von dem lateinischen Wort für Wacholderbaum ‘Juniperus’ ableitet.

Die Geschichte des Gins – Teil 2

Posted in Zutaten on May 6th, 2010 by Fabian – Be the first to comment

1622 – Erstes überliefertes Rezept

Im Jahre 1622 wurde in Amsterdam ein Rezept für „Aqua Juniper“ veröffentlicht. Wer und wann genau dieses Rezept veröffentlicht wurde ist bis heute leider nicht bekannt.

1638

Im Jahre 1638 trafen sich Theodore De Mayerne, der später als „The Father of English Distilling“ bekannt wurde, und Thomas Cademan, der Arzt der Königin, um „The Worshipful Company of Distillers“, ein bis heute existentes Unternehmen in London, zu gründen. Durch die Verbindung zum Königshaus stellte ihnen Charles I eine Urkunde aus, in der er dem Unternehmen die exklusiven Rechte der Herstellung von Alkohol aus Getreide in London und Westminster und im Umreis von 21 Meilen der beiden Orte zusprach. Dies gewährte den Beide dein Monopol auf die Herstellung von Spirituosen und Essig. Sie setzten Qualität- und Produktionsstandards, die sie in einer Broschüre namens „The Destiller of London“ dokumentierten. Diese Broschüre verbot zudem den Verkauf von „Low Wines“.

Theodore de Mayerne

Theodore de Mayerne

Wie niederländische Genever, musste englischer Gin zweimal destilliert werden (wie heute). Im ersten Schritt produzierten die „Malt Distillers“ aus Gerstenmalz und anderen Getreiden den sogenannten „Low Wines“. Dies geschah in großen Mengen, deshalb gab es nur wenige Produzenten in London, die durch die „Worshipful Companie“ vertreten wurden.

Der zweite Schritt bestand darin, dass diese produzierten „Low Wines“ zu Destillerien gebracht wurden. Hier wurden sie aromatisiert und wenn nötig verschnitten und zum Schluss auf  Trinkstärker herabgesetzt.

1663 – Samuel Pepys

In den frühen 1600ern wurde Gin in den Hafenstädten von London, Plymouth, Portsmouth und Bristol destilliert. Der Genuss von Gin stand zu dieser Zeit unter dem Vorwand die Gesundheit zu unterstützen.

Samuel Pepys beschreibt genau die Auswirkungen, die dem Gin damals zugesprochen wurden. Am 9. Oktober 1663 berichtet er: „Mein großer Anfall von Schmerzen“. Am nächsten Tag berichtet er von „Schmerzen beim Wasserlassen … Sir J. Minnes und Sir W. Batten [seine Arbeitskollegen], hatten zu mir gesagt, dass ich Wacholder Wasser zu mir nehmen solle, und Sir W. Batten schickte seine Frau mit dem starken Wasser aus Wacholder zu mir. Ob das oder etwas anderes, mich von meinem Tiefgang erholen lassen konnte, kann ich heute nicht sagen, aber ich hatte ein paar Stühle anschließend.“ Vielleicht ein wenig zu viel Information, aber der Nachweis über die Verwendung von Wacholder als Diureticum zu dieser Zeit.

1689 – Wilhelm von Oranien

Die Ankunft der Niederländer auf dem britischen Thron lässt den Gin von der Medizin zum Modegetränk werden. Der Nachfolger von James I, James II war umstritten, aber der neue König hatte die diplomatische Unterstützung der Katholiken, was ihm bei seinen englisch-protestantischen Untertanen und dem Parlament gleichermaßen unbeliebt machte. Der König, die führenden Persönlichkeiten des Landes wurde schließlich im Jahre 1688 zur Flucht nach Frankreich gezwungen.

Theodore de Mayerne

Theodore de Mayerne

Im Rahmen der Auseinandersetzung mit Frankreich versucht William seinen Gegner wirtschaftlich zu schwächen. So begann die englische Blockade gegen französische Waren. Zu diesem Zeitpunkt erfreuten sich die französischen Spirituosen in England jedoch höchster Beliebtheit. Rum hatte sich noch nicht durchgesetzt, Whisky wurde nur von den Schotten und den Iren genossen, und Wodka war hunderte von Jahren vom Ausbruch aus Polen und Russland entfernt. So begann man Genever aus Holland zu entdecken. Gin hatte Getreide als Grundlage gleich wie bei Genever, so konnte er auch in England hergestellt werden. So trat Genever und Gin schnell an die Stelle der schwindenden französischen Destillate.

Genever wurde das Modegetränk am William und Marys Königshof in Kensington, der Konsum stieg schnell an. Der Hofstaat wollte seine Unterstützung Ihres neuen Königs und seinem protestantischen Glauben durch den Genuss von Genever zeigen.

Die Geschichte des Gins – Teil 1

Posted in Zutaten on April 30th, 2010 by Fabian – Be the first to comment

In letzter Zeit habe ich mich mit der Lieblingsspirituose vieler Connoiseuren und Barkeepern ein weniger genauer beschäftigt: Gin. In mehreren Teilen werde ich euch nun die weitreichende Geschichte dieser Spirituose vorstellen. Als Quellen für diese längere Artikelreihe dienten mir unter anderem das CLASSmagazine, das Gin Compendium von Gary Regan und auch die Unterlagen zum G´Vine Wettbewerb des letzten Jahres. Ich wünsche euch allen nun viel Spaß beim lesen!

1100er – Ursprung der Destillation

Die Destillation hat ihre Ursprünge in der arabischen Welt. Durch die Übersiedlung der Mauren nach Europa im Mittelalter und ihre Herrschaft in Sizilien kam diese Wissenschaft nach Europa. Es wird vermutet, dass Benediktinermönche in Salemo die neu erworbenen Kenntnisse zur Destillation von Alkohol dazu verwendeten, Heilpflanzen aufzulösen und zu konservieren.

Die (vermutlich) erste Erwähnung

Im 12. Jahrhundert begannen Mönchen und Alchemisten in Europa nach dem „Aqua Vita“ (Wasser des Lebens) zu suchen. Diese frühen Brenner erzeugten Alkohol durch Erhitzen von Wein. Es entstand der Begriff „Burntwine“ aus dem später „Brandy“ wurde.

1269 – Frühe Medizin

Im Laufe der Jahrhunderte verwendeten Ärzte Wacholder bei der Herstellung eines Mittels das Diuretikum (erhöht die Ausscheidung von Urin) genannt wurde. Seit Jahrhunderten wurden mit Wacholder infusionierte Verbindungen genutzt, um Beschwerden des Magens, der Nieren und der Leber zu behandeln.

Der erste schriftliche Hinweis auf ein Wacholder basierendes Tonic ist im Jahre 1269 in einer niederländischen Publikation „Der Naturen Bloeme“ (die „Blume“ der Natur oder das Buch der Natur) von Jacob van Damme Maerlantte zu finden. Diese frühe naturgeschichtliche Enzyklopädie enthält ein Kapitel über Heilkräuter mit Wacholder.

1340er-1700er – Die Pest und der Wacholder

Während des 14. Jahrhunderts tauchte die Beulenpest in Zentralasien auf. In den späten 1340er erreichte sie dann auch Europa, wo sie als der „Schwarze Tod“ bekannt wurde. Diese tödliche Pandemie raffte ein bis zwei Drittel der europäischen Bevölkerung dahin.

Die Menschen in ganz Europa tranken Wacholder Liköre und Elixiere in dem fehlgeleiteten Glauben, sie würden gegen die Pest helfen. Es war auch üblich, Masken gefüllt mit Wacholderbeeren als ein Hindernis für den Erreger zu tragen.

Frühe 1500 – Verbreitung der Destillation

Die Destillation verbreitete sich von Italien aus über die südlichen Weinbauregionen nach ganz Europa, wo im Laufe des 16. Jahrhunderts die Kunst der Destillation von Maische aus Getreide entdeckt wurde. Frühe Destillate wiesen einen vergleichweise geringen Alkoholgehalt auf, waren im Vergleich zu den heutigen Produkten von schlechtem Geschmack und durch Fuselöle verunreinigt. Die Niederländer brachten es zur Verkommenheit der Kunst der Destillation, indem sie aus diesen „Low Wines“ einen stärkeren und reineren Geist durch die sekundäre Destillation hervorbrachten.

1560er – Verbreitung von Spirituosen mit Wacholdergeschmack

Niemand weiß, wann Wacholder das erste Mal mit Alkohol verbunden wurde – es könnten die Mönche des 12. Jahrhundert aus Salerno gewesen sein. Es gibt aber Anhaltspunkte, dass Destillate mit Wacholdergeschmack in den 1560ern durch Hungernot, Flüchtige die in Flandern lebten, hergestellt wurden. Zu dieser Zeit waren Spirituosen mit Wacholdergeschmack in den Niederlande (Holland, Belgien und Teilen Nord-Frankreichs) bereits erhältlich.

1572 – Professor Sylvius de Bouve

Professor Sylvius de Bouve wird allgemein mit der Erfahrung dessen, was wir heute als Genever bezeichnen (aus dem später Gin hervorging) in Verbindung gebracht. Er war Chemiker, Alchimist, ein renommierter Wissenschaftler und Professor, der unter anderem die älteste Universität in den Niederlande, die Universität Leiden gründete (im Februar 1575).

Er destillierte die Maische aus Getreide und fügte ihr Öl aus Wacholderbeeren zu. Dieses Getränk, das den Harndrang stimulieren sollte, nannte er Genever. Heute wird vermutet, dass Lucas Bols dieses von Dr. Sylvius de Bouve erfundene Rezept für sein Destillat verwendete. In Aufzeichnungen aus dem Jahr 1595 ist zu lesen, dass Dr. Sylvius de Bouve einen „Mout Wijn“ mit Wacholdergeschmack verkaufte. Es ist zu vermuten, dass er dies aber bereits Jahre zuvor tat. Es ist darauf hinzuweisen, dass Dr. Sylvius de Bouve oft mit dem deutschen Arzt Franciscus  Sylvius (geboren als Franz de le Boe) verwechselt wird. Er war in den Jahren von 1658 – 1672 an der Leiden Universität in der medizinischen Fakultät tätig und wurde Dr. Sylvius genannt.

1575 – Gründung der BOLS Brennerei

Lucas Bols gründete seine erste Brennerei in Amsterdam im Jahre 1575, wo er vermutlich eine Spirituose mit Wacholdergeschmack herstellte. Da Amsterdam zu dieser Zeit allerdings aus Holzhäusern bestand, wurde ihm verboten in der Stadt seinem Geschäft weiter nachzugehen. Er zog mit seiner Destillerie aus der Stadt an einen nahe gelegenen Bach, dessen Wasser er zur Kühlung seiner Apparate verwendete. Seine Destillerie wurde unter dem Namen „t Lootsje“ bekannt, was soviel bedeutet wie „der kleine Schuppen“.

1585 – Niederländische Courage

Im Jahre 1598 wurden englische Soldaten von Queen Elizabeth I von England in die Niederlande geschickt, um die protestantische Revolte gegen König Philipp von Spanien und seinen katholischen Verbündeten zu unterstützen. Zwanzig Jahre später wurden die Niederlande abermals Schauplatz eines Krieges zwischen England, Frankreich und Spanien der 30 Jahre bis 1648 dauern sollte. In dieser Zeit entdeckten die Engländer die als Genever bekannte Spirituose in den Niederlanden und brachten diese auf die Insel.

Der Affe aus dem Wald

Posted in Allgemeines on December 22nd, 2009 by Fabian – 5 Comments

Am Montag den 14. Dezember lud die DBU Sektion Ba-Wü gemeinsam mit den Black Forst Distillers in das Hotel Traube Tonbach zum Tasting der letzten drei Varianten des Monkey 47.

In den letzten Monaten veranstalteten Alexander Stein und Christoph Keller gemeinsam mit Barkeepern und Conniseuren der Bar immer wieder Tastings um gemeinsam den ersten Schwarzwald Dry Gin zu entwickeln.

Bei diesem abschließenden Tasting standen den 15 angereisten Barkeepern die letzten drei Alternativen zur Auswahl. Nach einer kurzen Vorstellung der beiden Protagonisten und ihrem Produkt ging es dann zur Verkostung der drei Destillate. Die drei Alternativen wurden von den Teilnehmern sowohl pur als auch im GinTonic verkostet und anschließend bewertet. Fast einstimmig wurde sich auf das dritte zu verkostende Destillat geeinigt.

Monkey 47 Verkostung

Monkey 47 Verkostung

Herr Stein und Herr Keller wollen mit Ihrem neuen Produkt dem Monkey 47, der im Mai 2010 auf den Markt kommen soll, einen Gin produzieren, der deutlich und rein nach Wacholder schmeckt. Er soll feinblumig-lieblich und floral duften. Des Weiteren sollen Zitrus-, leicht würzige Noten und eine subtile, bittere Fruchtnote den Geschmack dominieren. Insgesamt soll ein tiefgründiger und harmonisch ausgewogener Gin produziert werden.

Diese Anforderungen sahen alle im dritten Destillat erfüllt. Den Grundstein für diesen Gin bildet ein höchstgradig rektifizierter Ethylalkohol. In diesem Ethylalkohol haben die gintypischen Kräuter, Früchte und Gewürze, die sowohl aus Asien, Nord- und Südamerika als auch aus dem Schwarzwald stammen, 36 Stunden Zeit ihre Aromen abzugeben. Insgesamt beinhaltet der Schwarzwald Dry Gin 47 verschiedene botanische Zutaten. 15 davon in signifikanten Mengen, die übrigen 32 als Beigabe zur Gewährleistung einer größtmöglichen Komplexität.

Monkey47 Botanicals

Monkey47 Botanicals

Nach den 36 Stunden wird das Mazerat destilliert. Für die Destillation wurden von Herrn Stein neue Brennblasen entwickelt. Er baute in die Brennblase Geistkörbe oberhalb des Flüssigkeitsspiegels ein um über diese gewisse Kräuter-Aromen in das Destillat zu extrahieren. Das entstanden Destillat wird anschließend mit nordschwarzwälder Quellwasser auf eine Trinkstärke von 47 % Vol. herabgesetzt und für ca. 3 Monate in traditionellen Steinkrugbehältnissen gelagert.

Der Monkey 47 – Schwarzwald Dry Gin wir d ein 100%tiger Jahrgangsgin werden. Daher wird er von Jahr zu Jahr leichte Unterschiede in Geschmack und Geruch aufweisen.

Nach lehreichen zwei Stunden, in denen zum Abschluss noch eine geheime Zutat, die Preiselbeere, verraten wurde ging es zum Abendessen. Im Restaurant Bauernstube ließen sich alle Teilnehmer bei einem 5-Gang Menü von den Kochkünsten Jochen Reidts und dessen Team verwöhnen. In der Traube Bar konnte anschleißend noch der eine oder andere Cocktail genossen werden bevor es langsam jeden auf sein Zimmer zog.

Dieser Gin darf gespannt erwartet werden.

www.monkey47.com

Webweites #5

Posted in Webweites on October 22nd, 2009 by Sascha – 1 Comment

Bitters…

Neben den neuen The Bitter Truth Bitters gibt es noch weitere Neuigkeiten in der Bitters Welt:

  • Boudreau’s Bitters: Der bekannte Bartender und Blogger Jamie Boudreau arbeitet im Moment an zwei eigenen Bitters – Cherry und Boker’s. Erscheinen werden beide wahrscheinlich noch vor Ende des Jahres.
  • Adam Elmegirab Bitters: Schon erhältlich sind die Boker’s Bitters von Adam Elmegirab. Dieser hatte Anfang des Jahres das “Jerry Thomas Project” gestartet und wollte alle Rezepte des ersten Cocktailbuches von Herrn Thomas nachmixen. Schon bald musste er aber feststellen, dass ihm der damals viel verwendete Boker’s Bitters fehlte. Leider wird diese wichtige Cocktailzutat schon seit Jahrzehnten nicht mehr hergestellt. Aus diesem Grunde fing Adam an, eine eigene Version des Bitters herzustellen und verschickt diese seit  ca. drei Monaten mit großem Erfolg in alle Welt. Weitere Bitters sollen in kürze folgen. Einen detailierten Artikel zum Boker’s Bitter von Adam wird es demnächst hier zu lesen geben.
  • Reinventing bitters – House-made concoctions give cocktails a signature spin: Schöner Artikel über hausgemachte Bitters in Bars.

The Bibulo.us Guide to Your Home Bar

Auf Bibulo.us ist ein nette Reihe von Artikeln erschienen, die sich an Cocktailanfänger richtet. In jedem Teil dreht sich alles um einen Cocktail – welche Zutaten braucht man, was ist bei der Zubereitung zu beachten, usw.

Gin History by Angus Winchester

Mr. Winchester hat auf der Website World Class einen zweiteiligen Artikel über die Geschichte des Gins geschrieben. Sehr interessant!

Verschiedene Videos/Podcasts

Verschiedene Bücher

Verschiedene Artikel

Matinée Martini

Posted in Cocktails on April 21st, 2009 by Sascha – Be the first to comment

Salbei = Tee, war mein erster Gedanke, bevor mir der Matinée Martini über den Weg gelaufen ist. Die Rezeptur hörte sich sofort interessant an, was nicht nur am Salbei lag, sondern auch an den 1.5 Barlöffeln Orange Flower Water. Erfinder des Cocktails ist Stephan Berg, der mit ihm den zweiten Platz im Hendricks-Martini Wettbewerb gewann.

Matinée Martini

Matinée Martini

Matinée Martini

  • 6 cl Hendrick´s Gin
  • 1.5 Barlöffel Orange Flower Water
  • 1 Barlöffel Ingwersirup
  • 3 Blättchen Salbei

    Kräftig schütteln – mit einem Teesieb in ein Cocktailglas abseihen – Zitronenzeste über dem Glas ausdrücken und diese in den Drink dazugeben

Leider muss ich sagen, dass mir persöhnlich in diesem Drink zu viel Orangenblütenwassers verwendet wird. Der erste Geschmackseindruck ist richtig gut, dann überlagert jedoch das Orange Flower Water sämtliche andere Zutaten des Drinks. Ich kann mir allerdings gut vorstellen, dass der Cocktail mit nur einem oder einem halben Barlöffel des Orange Flower Waters mehr meinen Geschmack trifft – ein Bericht wird folgen.

Nichtsdestotrotz eine sehr interessante Kombination – man muss nur den Geschmack des Orangenblütenwassers mögen. ;-)

Raspberry Thyme Smash

Posted in Cocktails on April 19th, 2009 by Sascha – 1 Comment

Das erste mal aufmerksam wurde ich auf diesen Drink vor ca. 2 Wochen in der o.T. Bar in Stuttgart. Ich wollte mal etwas neues ausprobieren und da kam ein Cocktail mit Thymian gerade recht. Glücklicherweise hat sich das Rezept nicht nur gut angehört, sondern es war auch sehr lecker und durch die schöne Mischung von Himbeere und dem intensiven Thymian Geschmack mal was ganz anderes.

Ursprünglich stammt dieser Cocktail aus dem BLT Market in New York und wurde in der Juli Ausgabe 2008 des Bon Appetit veröffentlicht.

Raspberry Thyme Smash

Raspberry Thyme Smash

Raspberry Thyme Smash

  • 1 frischer Zweig Thymian
  • 6 frische Himbeeren
  • 6cl Gin (Hendrick’s wird empfohlen)
  • 3cl Zuckersirup
  • 3cl frischer Limettensaft

    Thymianblätter vom Zweig entfernen und mit den Himbeeren stößeln – die restlichen Zutaten hinzufügen – mit viel Eis kräftig schütteln – durch einen Teesieb in ein Tumbler mit frischen Eis abseihen – mit einem zusätzlichen Zweig Thymian und Himbeere dekorieren

Bei den im Moment erhältlichen Himbeeren sollte man jedoch mehr als 6 Stück verwenden. Ich hatte 10 verwendet und es hätten fast noch mehr sein können. Aktuell sind die käuflich erwerbbaren einfach noch zu klein und auch geschmacklich nicht mit welchen aus dem Sommer zu vergleichen.

Der Himbeer Thymian Smash ist aber trotzdem (schon jetzt) ein wundervoller Sommertrink! Unbedingt probieren!

Update 20.04.09
Im Artikel des Bon Appetit wird die Menge an Gin mit 1/4 Cup angegeben. Allerdings habe ich diese Angabe nicht selbst umgerechnet, sondern nur schnell gegoogelt, was die ursprünglich angegebenen 6.45cl ergaben. Gestern Abend habe ich den Cocktail nochmal probiert und fand den Gin minimal zu dominant, so dass ich doch nochmal nach einer Umrechnung von Cup in Milliliter suchte.

Das Problem hierbei ist aber, dass man nie genau weiß, welche Art von Cup benutzt wurde. Es gibt nämlich eine us customary cup, eine us legal cup, eine imperial cup, eine metrische cup und eine japanische cup. Da das Magazin jedoch in den USA erscheint, habe ich die us legal cup, welche 240ml entspricht, für die Konvertierung benutzt. Hierbei kommen genau 6cl heraus, was denke ich einen runderen Drink ergibt, als mit 6.45cl.

Webweites #2

Posted in Webweites, Zutaten on April 15th, 2009 by Sascha – 1 Comment

Spirit Timelines
Tristan vom Wild Drink Blog hat die Geschichte von Gin, Rum und Vodka in drei verschiedenen Zeitlinen zusammengefasst.

Der Mojito
Tristan hat sich auch ziemlich ausführlich mit der Geschichte des Mojito befaßt. In Teil 1 geht es um die Entstehung und ursprüngliche Zubereitung, wogegen in Teil 2 dokumentiert ist, wie sich der Drink über die Zeit hinweg verändert hat.

The Rye Whiskey Roundtable
Das Malt Advocate Magazin veranstaltete eine Diskussionsrunde über Rye Whiskey mit folgenden Personen:

  • Kris Comstock (Buffalo Trace Distillery)
  • Larry Kass (Heaven Hill)
  • Drew Kulsveen (Kentucky Bourbon Distillers)
  • Bernie Lubbers (Jim Beam)
  • Fritz Maytag (Anchor Distilling)
  • Joe Nardoci (Chatham Imports)
  • Henry Preiss (Preiss Imports)
  • Jimmy Russell (Wild Turkey)
  • LeNell Smothers (LeNell’s Ltd)
  • Julian Van Winkle (J.P. Van Winkle and Son)
  • John Hansell und Lew Bryson (Malt Advocate)

Themen waren unter anderem die Gründe für das verschwinden von Rye Whiskey, das wiederaufgeflammte Interesse an Rye Whiskey, Junge vs. Alte Abfüllungen und vieles mehr. Interessant ist die Tatsache, dass Rye Whiskey nur an wenigen Tagen im Jahr gemaischt wird:

Now four [days]! See, that’s the point: it’s a small category, a smaaaallll category. We do have to bear that in mind. We spill more bourbon in a day than we sell rye in a year! – Larry Kass

Leider findet man den Artikel nur noch über den Google Cache. Schätzungsweiße wurde der Artikel ca 2006 veröffentlicht. Es ist zwar kein Datum angegeben, aber im Text wird erwähnt, dass die veröffentlichung des Sazerac 18y 6 Jahre zurück liegt und dieser wurde erstmals im Jahr 2000 veröffentlicht.

Link zum Artikel

Eban Freeman Cocktailvideos (epicuriousdotcom)

Cocktails with Toby Maloney
Interessante Bewegungsabläufe, ungewöhnliche Schütteltechnik und handgeschlagene Eisstücke:

Verschiedene Videos

Tipps für Anfänger: Spirituosen

Posted in Zutaten on January 12th, 2009 by Sascha – Be the first to comment

Beginnen wir mit einer Liste von Spirituosen, über die man stolpert, wenn man sich mit dem Thema Cocktails mixen beschäftigt. Es sind bewußt auch Marken aufgeführt, die eher nicht oder auf keinen Fall zu empfehlen sind. Einige der Notizen habe ich über die letzten zwei Jahren in verschiedenen Foren und Blogs gesammelt. Es wurden jedoch nur Meinungen aufgenommen, die öfters vertreten waren und auch nur von Personen, die als “vertrauenswert” gelten. Falls sich jemand auf den Schlipps getreten fühlt, bitte melden. Ebenso sind Verbesserungsvorschläge immer gerne willkommen. ;-)

Weißer Rum

  • Bacardi White (11€/0.7L): Früher “der” Rum aus Kuba, wird er heutzutage in Puerto Rico hergestellt und sollte auf keinen Fall verwendet werden. Sprittig und sehr neutraler Geschmack.
  • Old Pascas White (6€/0.7L): Ein weißer Rum aus Barbados. Leider ähnlicher Geschmack wie bei Bacardi, jedoch nicht ganz so teuer. Im absoluten Notfall verwendbar, falls Rum nur die 3te Geige spielt.
  • Cartavio Silver (17€/1L): Sehr aromatischer Rum aus Peru zu einem günstigen Preis. Sehr vielseitig in Cocktails einsetzbar. Ich hatte noch keinen Drink, in dem er mich enttäuscht hat.
  • Matusalem Platino (16€/0.7L): Ein Top Rum aus der Dominikanische Republik. Etwas speziell, sehr aromatisch, passt nicht in allen Cocktails perfekt. Im C&D Forum sehr beliebt.
  • Appleton White (12€/0-7L): Ein Vertreter des weißen Rums aus Jamaika. Sehr mild und etwas süßlich/fruchtig. Wird oft empfohlen, passt meiner Meinung nach aber nur gut in “Saftcocktails”. In einem Daiquiri z.B. eher ungeeignet.
  • Blue Bay White (15€/0.7L): Dieser Rum aus Mauritius passt perfekt in einen Daiquiri oder Mojito. Durch seinen besonderen Geschmack (sehr fruchtig, mit frischer Zuckerrohrnote), passt er allerdings nicht in jeden Drink. Probieren!
  • Havana Club 3y (12€/0.7L): So ziemlich die bekannteste Marke aus Kuba. Traditionell eher leicht im Geschmack, gleichzeitig aber auch eher speziell und ist nicht für jeden Cocktail geeignet. Obwohl es für den Preis weitaus bessere Rums gibt, ist er immer noch meine erste Wahl für einen Cuba Libre.
  • El Dorado White (12€/1L): Ziemlich universeller Rum mit super Preis-/Leistungsverhältnis aus Guyana. Hat aber eine leichte Kakaonote (Demarara ;-) ) im Geschmack, daher schmeckt er nicht jedem (aber vielen).

Brauner Rum

  • Appleton V/X (16€/0.7L): Sehr aromatischer Rum aus Jamaika. Sehr gut in allen Cocktails wo eine ausgeprägte Rumnote gefragt ist (z.B. Planter’s Punch, Mai Tai, usw.)
  • Appleton Extra (23€/0.7L): Ein paar Qualitätsstufen über dem V/X macht er sich besonders gut in jenen Cocktails, die hauptsächlich Rum enthalten oder wenn man einem Cocktail eine besondere Note geben möchte. Schmeckt auch pur super.
  • Old Pascas Ron Negro (8€/0.7L): Von der Qualität besser als Old Pascas White mit passablem Preis-/Leistungsverhältnis. Allerdings nicht so gut wie zum Beispiel Appleton V/X.
  • Mount Gay Eclipse (21€/1L): Ein Goldener Rum mit ausgeprägtem Aroma aus Barbados.
  • El Dorado 12y (26€/0.7L): Schmeckt sehr gut pur. Leichte süße. Fantastisch in einem Rum Manhatten oder Rum Sour!
  • Bacardi 8y: Die erfreuliche Ausnahme unter den vielen schlechten Bacardi Rums. Runder, sanfter, leicht süßlicher Geschmack. Eher etwas für Einsteiger, Profis könnte der Geschmack etwas zu schwach sein.
    Alles andere in Deutschland erhältliche (z.B. Oro/Black) ist meist nur eingefärbter, junger Rum. Nicht zu empfehlen!
  • Appleton Dark (13€/0.7L)
  • El Dorado Dark (14€/1L)
  • Old Monk Very Old Vatted Indian Rum (23€/1L): Ein Rum aus Indien mit außergewöhnlichem Geschmack (starke Kaffee, Karamel und Molassenoten). Super in einem Rum Sour.
  • Doorly’s XO (26€/0.7L): Schönes Aroma, süßlich. Pur schmeckt er mir nicht so gut (anderen wiederum sehr gut), aber in Cocktails klasse.

Overproof Rum

  • Wray & Nephew White Overproof (17€/0.7L): Eigentlich ein brauner Rum, wird dieser vor dem Verkauf gefiltert, was in seiner weißen Farbe resultiert. Sehr fruchtiger und leicht süßlicher Geschmack. Im Vergleich zu den restlichen Overproofs hat er einen untypischen Geschmack.
  • Lemon Hart Demarara 151 (23€/0.7L): Meist wird dieser Rum als bester Overproof gehandelt. Sehr stark, sehr dunkel mit sehr kräftigem Aroma. Leider nur schwer zu bekommen.
  • Lemen Hart 73% (23€/0.7L): Schlechter als der Demarara, recht scharf.
  • Old Pascas Overproof (19€/0.7L): Aromatisch, aber etwas eindimensional. Falls man nichts anderes findest ist er ok.
  • Pusser’s Overproof (37€/1L): Wird oft im C&D Forum empfohlen.
  • Bacardi 151 (30€/1L): Mild, aber scharf. Ok, gibt aber bessere Sorten zu besseren Preisen.
  • Bermudez 151 (23€/0.7L): Mild, leicht bis mittel scharf.
  • El Dorado Overproof (18€/0.7L): Mild und leicht süßlich. Passt gut in fruchtige Drinks.

Rhum Agricole
Hierzu habe ich leider kaum Notizen. Im C&D Forum werden folgende Sorten empfohlen:

  • Clément Canne Bleue (26€/0.7L)
  • Saint James Fleur de Canne (29€/0.7L)
  • La Mauny Blanc (17,00 €)
  • Neisson Blanc (32€/1L)
  • Neisson Vieux (36€/0.7L)
  • Saint James Royal Ambre (16€/0.7L): Super im Mai Tai und Ti Punch.

Gin

  • Tanqueray 47.3% (23€/1L): Schöner Allrounder mit kräftigem Wacholdergeschmack.Die Version mit 43.1% ist schwächer im Geschmack und nicht zu empfehlen. In Deutschland habe ich bis jetzt aber nur die 47.3% Flasche gesehen.
  • Tanqueray No 10 (33€/1L): Der Premium Gin von Tanqueray. Nicht so wacholderlastig, mit leichter Zitrusnote.
  • Beefeater 47% (20€/1L): Kräftiger Geschmack, schöne Wacholdernote, würziger als Tanqueray 47.3%. Mein Standardgin. Die Version mit 40% ist schwächer im Geschmack und nicht zu empfehlen.
  • Plymouth 41.2% (20€/1L): Plymouth Gin darf nur in Plymouth, England hergestellt werden und stellt eine eigene Gin Gattung dar. Die Standardabfüllung hat 41,2% (Navy Strength: 57%, was für einen Gin eigentlich wenig ist. Doch selbst diese schmeckt schon super. Durch die typische leichte Süßung der Plymouth Gins, sind diese aber nicht in allen Drinks empfehlenswert. Super z.B. im Gimlet.
  • Finsbury Platinum (15€/0.7L): Kräftige Wacholdernote und feine Würze. Die Version mit 37,5% (gelbes Etikett) ist schwächer im Geschmack, ist für den Einstieg durch den geringen Preis (ca. 8€) aber bedingt nutzbar.
  • Hendrick’s 44% (23€/0.7L): Außergewöhnlicher Gin aus Schottland, der mit Gurke infusioniert wurde. Passt daher nicht in allen Cocktails, aber manche werden gerade durch ihn herrausragend (z.B. Cucumber Fizz/Collins). Aber keine Angst, der Hendrick’s schmeckt nicht wie Gurkenwasser. ;)
  • G’Vine Floraison (35€/0.7L): Im Gegensatz zum London Try Gin (alle hier aufgeführten, außer anders vermerkt), hat dieser Gin Weinalkohol als Basis und ist damit fruchtiger. Zusätzlich wird er noch mit Kubeebe Beeren, Blüten der Rebstöcke, Wacholder Ingwer, Kardamom, usw. aromatisiert, was ihm einen sehr “floralen” Charakter gibt. Die einen lieben ihn, die anderen haßen ihn.
  • G’Vine Nouaison (36€/0.7L): Diese neuere Version des G’Vine Gins geht wieder mehr auf den London Dry Gin Stil zu, bietet ausgeprägtere Wacholderaromen und ist auch im Alkoholgehalt stärker (40% zu 43.9%). Der Gin für einen Gin Basil Smash!
  • Gordon’s 37.5% (12€/0.7L): Eher flaches Aroma. Notfalls ok, aber es gibt weitaus bessere Alternativen zu einem ähnlichen Preis.
  • Bombay Sapphire 47% (22€/1L): Nicht allzu Wacholder betonter Gin und schön würzig. Geht in machen Cocktails allerdings etwas unter.

Tequila Blanco/Silver/Plata
Bei Tequila sollte man unbedingt einen 100% Agava Tequila kaufen und keinen Mixto (mindestens 51% des Alkohols auf Basis der Agave, Rest beliebig). Ein Blanco ist normalerweiße ungereift, wird also direkt nach der Destilation abgefüllt oder vorübergehend in Stahltanks gelagert. Es kommt aber auch vor, dass er kurze Zeit gereift ist (maximal für 60 Tage). Blanco Tequilas bieten den meisten Agavengeschmack, können aber auch mehr oder weniger harsch sein.

  • Sierra (12€/0.7L): Sehr sprittig, kaum Aroma, Vergleichbar mit Bacardi bei Rum. Auf keinen Fall verwenden!
  • 1921 (31€/0.7L): Würzig, mit kräftiger Agave. Sehr rund. Empfehlenswert
  • Casa Vieja (23€/0.7L): Reiner Agavengeschmack, günstiger Preis. Verwende ich im Moment.
  • Corralejo (24€/0.7L): Frische Agave, leichte Kräuternoten.
  • 1800 (30€/0.7L): Intesiver Agavengeschmack, würzig, leicht scharf.
  • Amate (30€/0.7L)
  • Arette (34€/0.7L): Fruchtig, zu Beginn süßlich, schöne Agave.
  • Herradura (29€/0.7L)
  • Aha Toro (30€/0.7L)

Tequila Reposado
Ein Reposado Tequila ist mindestens 2 Monate und maximal 11 Monate in Holzfässern gereift. Sie bieten das Beste aus den beiden benachbarten Kategorien: der Agavengeschmack ist noch sehr präsent, aber sie sind durch die längere Fasslagerung schon deutlich sanfter und bieten auch einen komplexeren Geschmack.

  • Sierra: NEIN!
  • 1921 (36€/0.7L): Leicht süßlich (Honig, Karamel), leicht holizig, sanfter als der Blanco, frische Agave
  • Casa Vieja (24€/0.7L): Schöne Agavennote, fruchtig, rund, kaum brennen. Wird zur Zeit von mir vermixt.
  • Corralejo (27€/0.7L): Leichte Zitrusaromen, leicht würzig, etwas starkes alkoholisches Brennen.
  • Sauza Hornitos (20€/0.7L): Fruchtig, minimal sprittig, gut als Einstiegstequila.
  • 1800 (32€/0.7L): Schon leicht dominierende Holznoten, dezente Frucht, leicht scharf.
  • Amate (33€/0.7L)
  • Herradura (32€/0.7L)
  • Aha Toro (34€/0.7L)

Eine Auswertung des C&D Reposado Tastings findet ihr bei Cocktailwelten.

Tequila Anejo
Anejo Tequila ist mindestens 12 Monate und maximal 35 Monate gereift. Diese gereiften Tequilas werden zwar seltener zum mixen verwendet, doch sind diese auch sehr gut pur zu genießen. Um nicht all zu viel Geld in den Sand zu setzen, sollte man sich erstmal mit den Blancos und Reposados vertraut machen und erst bei aktiven Interesse einen Anejo kaufen. Neben den Anejo Tequilas gibt es noch die Extra Anejos, die länger als 3 Jahre gereift sind.

  • Sierra: NEIN!
  • 1800 (35€/0.7L): Das Holz dominiert sehr stark. Eher nicht empfehlenswert.
  • Amate (40€/0.7L)
  • Tres Generaciones (40€/0.7L): Komplexer Geschmack, leicht ölig. Holznoten sind vorhanden, dominieren aber nicht. Sehr rund.
  • Herradura (45€/0.7L)
  • Aha Toro (40€/0.7L)

Wermut

  • Noilly Prat Dry (10€/1L): Der Standard bei den trockenen weißen Wermuts. Lohnt sich!
  • Noilly Prat Rouge (11€/1L): Günstiger und guter roter, süßer Wermut.
  • Martini (alle): Auf keinen Fall zu empfehlen. Lieber ein wenig mehr für Noilly Prat ausgeben und sich über den weitaus besseren Geschmack freuen.
  • Carpano Antica Formula (23€/1L): Wird nach dem Rezept des ersten roten Wermuts von Carpano aus dem Jahr 1786 hergestellt. Wer sich z.B. einen besonderen Manhatten gönnen möchte, sollte zuschlagen. Für den Anfang reicht aber NP Rouge vollkommend aus.

Vodka
Imho schmeckt mein ab einer gewissen Qualität kaum Unterschiede in Cocktails, daher langt normalerweiße eine Flasche Vodka zum mixen. Meiden sollte man so ziemlich alles was unter 10€/0.7L kostet, vor allem die unzähligen “Präsidenten”. Empfehlenswert sind unter anderem:

  • Absolut (12€/0.7L)
  • Smirnoff (12/0.7L)
  • Finlandia (12/0.7L)

Cachaca

  • Pitú (13€/0.7L): Sehr sprittig, kaum Aroma, Vergleichbar mit Bacardi bei Rum oder mit Sierra bei Tequila. Auf keinen Fall verwenden!
  • Armazem Vieira Esmeralda (30€/0.7L): Traditionell in Handarbeit hergestellter Cachaca. Falls man sich etwas besonderes gönnen möchte. 4 Jahre gereift.
  • Armazem Vieira Safira (23€/0.7L): Traditionell in Handarbeit hergestellter Cachaca. Falls man sich etwas besonderes gönnen möchte. 2 Jahre gereift.
  • Nega Fulo (14€/0.7L) Falls man keinen anderen bekommt, ok. Der Velho Barreiro ist günstiger und schmeckt den meisten besser.
  • Canario (14€/1L): Falls man keinen anderen bekommt, ok. Der Velho Barreiro ist nur wenig teuerer, schmeckt den meisten aber besser.
  • Velho Barreiro Special Reserve (15€/0.7L): Sehr zu empfehlen!
  • Velho Barreiro (15€/1L): Sehr zu empfehlen, super Preis-/Leistungsverhältnis. Schmeckt mir persöhnlich in Cocktails besser als die Special Reserve.

Cognac
Bei Cognac sollte man wie bei Tequila gleich in eine bessere Sorte investieren. Bei den meisten Cocktails mit Cognac ist der Unterschied zu einem schlechteren deutlisch schmeckbar.

  • Frapin VSOP (35€/1L): Super Preis-/Leistungsverhältnis!
  • Courvoisier VSOP (28€/0.7L): Gute Alternative zum Frapin (einfacher zu erwerben, aber ein wenig teurer).
  • Remy Martin VSOP (30€/0.7L): Für den Preis schlechtere Qualität als Frapin und Courvoisier.

Bourbon
Bei Bourbon kann ich leider keine weiteren Infos liefern, da ich mich mit dieser Spirituose bis her kaum beschäftigt habe. Folgende sollten empfehlenswert sein.

  • Woodford Reserve (31€/0.7L)
  • Maker’s Mark (20€/0.7L)
  • Blanton’s (24€/0.7L)

Eine Auswertung des C&D Bourbon Tastings findet ihr bei Cocktailwelten.

Scotch (Blended)
Bei Scotch kann ich leider keine weiteren Infos liefern, da ich mich mit dieser Spirituose bis her kaum beschäftigt habe. Folgende sollten empfehlenswert sein.

  • The Famous Grouse

Rye
Bei Rye kann ich vollstens den Sazarec Rye empfehlen. Allerdings sollte er in UK bestellt werden, wo er umgerechnet nur ca 30€ bis 35€ kostet. Im Cocktail & Dreams Forum gibt es des öfteren Sammelbestellungen – spart Porto! ;)

  • Wild Turkey (24€/0.7L): Super Preis-/Leistungsverhältnis!
  • Sazarec (50€/0.7L)
  • Old Overholt (20€/1L): Sehr günstiger Preis. Gut, um sich als Einsteiger ran zu testen. Hat im Gegensatz zu den meisten anderen Ryes nur 40%.

Eine schönen Vergleich vieler Ryes findet ihr bei Paul Clarke.

Die Preise sind hauptsächlich von Barfish übernommen, Stand: 11.01.08. Eine monatlich aktuallisierte Preisliste der meisten in Deutschland erhältlichen Tequila Marken gibt es bei puro de agave. Vergleicht vor dem Einkauf unbedingt die Preise in den bekannten Online Shops. Teilweiße differieren die Preise extrem!