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C2C Spirits Cup - Auftaktveranstaltung in Frankfurt

C2C Spirits Cup – Auftaktveranstaltung in Frankfurt

September 25, 2014 |  by  |  Allgemeines, Irish Whiskey, Whisk(e)y, Zutaten  |  Share

Spirituosenwettbewerbe mit anschließender Medaillenvergabe sind keine Seltenheit, oft genug wird mit errungenen Gold-, Silber- oder Bronzeauszeichnungen geworben. Meistens eine bisher große Gemeinsamkeit: Die Verkostungen werden von einer professionellen Jury durchgeführt, die Mitglieder haben einen engen Bezug zu der Spirituosenindustrie.

Zu Recht steht der Konsument, der sich eventuell leidenschaftlich mit einigen Bereichen aus der Welt der alkoholischen Getränke beschäftigt, vor prämierten Produkten und fragt sich: Sollte ich diese Flasche kaufen, weil sie eine Silbermedaille trägt? Muss mir diese Abfüllung schmecken? Schmeckt ein Destillat mit Goldplakette doppelt so gut wie eines, welches lediglich Bronze erhielt? Und selbstverständlich dürfte eine Frage immer wieder auftauchen: Wie um alles in der Welt kam die Jury nur dazu, diesem langweiligen / ungenießbaren / preislich überzogenen / *Argument der Wahl* Produkt so eine Medaille zu verleihen?!

Einen näheren Einblick in diese Welt, inklusive Antworten auf obige Fragen, kann man beim C2C (Consumer 2 Consumer) Spirits Cup von und mit Julia Nourney gewinnen.

Die Auftaktveranstaltung fand letzten Sonntag, am 21. September, im Ladenlokal von Whisky Spirits in Frankfurt-Sachsenhausen statt. Weitere Veranstaltungen folgen am 28. September am Bodensee, am Tag der Deutschen Einheit im Rahmen der Hanse Spirit in Hamburg und am 12. Oktober in Essen-Borbeck. Im Rahmen der Aquavitae in Mühlheim an der Ruhr werden die Medaillengewinner prämiert. Der Fokus lag – passend zum ersten Austragungsort – auf Whisk(e)y.

Dort haben sich – neben mir – rund 25 interessierte Personen als Jury eingefunden und von 14:00 Uhr bis 18:00 Uhr ein durchaus ambitioniertes Tastingprogramm absolviert. Julia eröffnete die Veranstaltung mit allgemeinen Informationen über Verkostungstechniken, wie man (bei einer Probenanzahl von jeweils 22 Whisky(e)s immanent wichtig) richtig die Probe wieder ausspuckt, welche Bandbreite uns an Whisk(e)ys erwartet und wie unsere vergebenen Punkte später in der Medaillenvergabe münden.

Jury C2C Frankfurt

Ziel ist es, dass jeder Teilnehmer sein eigenes, unbeeinflusstes Urteil, zu dem gerade zu verkostenden Produkt abgibt. Daher ist jeder Teilnehmer einer Gruppe zugeteilt, wobei niemals zwei gleiche Gruppenmitglieder nebeneinander sitzen. Dann werden im Laufe des Nachmittages acht beziehungsweise neun Flights an jeden Einzelnen verteilt, bestehend aus mindestens einem und maximal fünf Whisk(e)yproben von je 3 cl.

Die auf dem ersten Blick hohe Ausschankmenge empfand ich als genau richtig – man konnte einen großzügigen Schluck in den Mund nehmen und damit spielen, anschließend war – gerade bei Abfüllungen in Faßstärke – noch genügend im Glas, um einen etwas verdünnten Schluck zu probieren. Rechnet man die ausgeschenkten Mengen kurz hoch, erschließt sich sofort, warum man das herunterschlucken der Proben während des Tastings tunlichst vermeiden sollte. Einige Tropfen finden immer den Weg den Gaumen hinab, zusätzlich nehmen die Mundschleimhäute Alkohol auf – Auto fahren sollte man im Anschluss definitiv nicht mehr. Gegen Ende des Tastings wurde es naturgemäß schwieriger differenziert zu bewerten – gefühlt jedoch keineswegs aufgrund des Alkohols, sondern aufgrund des langsam ermüdenden Gaumens.

Komplett blind wurde nicht verkostet, die Flights selber waren sinnvoll in sich und auch in einer übergreifenden Dramaturgie angeordnet. Beginnend bei leichten Bränden, über kräftigere Single Malts bis hin zu rauchigen Abfüllungen in Faßstärke passte der Ablauf gut. Man erfuhr etwa aus welcher Region der Whisk(e)y stammt (Schottland, Irland, USA, sonstiges Europa), grobe Alterskategorien oder ob in Trink- erhöhter Trink- oder Faßstärke abgefüllt wurde.

Für mich besonders interessant: Auch Gegenproben innerhalb des Wettbewerbes selbst sind eingeplant, etwa ob ein Whisk(e)y ohne Altersangabe per se schlechter abschneidet als derselbe mit. Durch die Gruppenaufteilungen erhielt zwar jeder 22 Proben, aber nicht jeder dieselben 22 Abfüllungen. Wie viele unterschiedliche genau im Ganzen verkostet worden sind, bleibt erstmal Betriebsgeheimnis. ;-)

Die Zuordnung der von ihm bewerteten, lediglich mit Nummern versehenen, Proben erhält jeder Juror von Julia nach Bekanntgabe der Medaillengewinner im Oktober. Besonders interessant für mich war die Schilderung, wie bei professionellen Wettbewerben die Prämierungen stattfinden: Für gewöhnlich werden 80 % der eingereichten Produkte mit Medaillen bedacht. Die Wertigkeit einer Bronzeauszeichnung vermag da jeder selbst beurteilen, zumal der persönliche Geschmack eine möglichst geringe Rolle spielen soll. Wer keine rauchigen Brände mag, aber einen einfach handwerklich gut hergestellten Islay-Whisky vor sich hat, sollte zumindest eine ordentliche Durchschnittspunktzahl vergeben. Das erklärt, warum grundsolide, jedoch wenig “aufregende” Produkte bei großen Wettbewerben gute Preise einfahren, der Konsument sich aber wundert, warum ein “nur” grundsolides Produkt so gut bewertet wird.

3 Proben C2C

Beim C2C liegt der Medaillenschnitt bei 60 %. Die besten 15 % erhalten eine Goldmedaille, 20 % Silber und 25 % Bronze. Der Durchschnitt errechnet sich durch die beim Wettbewerb insgesamt vergebenen Punkte. Dadurch wird gewährleistet, dass – unvermeidbare doch einfließende, zu (negative) persönliche Bewertungen bei eigentlich handwerklich solide hergestellten Produkten – nicht dazu führen, dass am Ende sich kaum auszeichnungswürdige Ergebnisse herauskristallisieren.

Im Ganzen habe ich einen wunderbaren Nachmittag mit rundum sympathischen, anderen Jurymitgliedern und unter der tollen Moderation von Julia (sowie der Hilfe ihres Mannes Götz und des Inhaber Gregor Haslinger von Whisky Spirits) verbringen dürfen. Als Belohnung am Schluss gab es dann doch noch etwas zum Schlucken – die vier Lieblingsproben konnte man sich abermals ausschenken lassen und damit den Wettbewerb beschließen.

Julia Nourney C2C

Stand letzter Sonntag war, dass noch Plätze in den anderen Städten zur Verfügung stehen. Wer interessiert ist und Zeit hat: Unbedingt mitmachen! Unkomplizierter, professioneller und in besserer Atmosphäre dürfte sich kaum eine dermaßen große Vielfalt von Whisk(e)y verkosten lassen. Bleibt zu hoffen, dass der C2C Spirits Cup sich etablieren und auf weitere Kategorien ausweiten kann. Das Potential ist vorhanden!

Anmerkung: Damit kein falscher Eindruck entsteht – ich war ein regulärer Teilnehmer und habe die 28 € Gebühr wie alle anderen bezahlt. Dieser Artikel soll dieses tolle Projekt einfach unterstützen – es ist verdient.

 
2 Kommentare
  1. Vielen Dank für den tollen und so ausführlichen Bericht! Ich kann leider an keinem der Termine teilnehmen, was ich sehr bedauere und hab so wenigstens einen Eindruck vom Ablauf bekommen. Solch einen Wettbewerb mal live zu erleben lässt einen wohl die großen internationalen Medaillenvergaben in einem etwas anderen Licht und man kann nachvollziehen, was das für eine herausfordernde Aufgabe für die Juroren ist. Na ja, wenigstens bei der Preisverleihung auf der Aquavitae reicht es mir. Und der diesjährige Cup wird ja mit Sicherheit keine Eintagsfliege bleiben.

  2. This piece of writing is in fact a nice one it assists new the web viewers, who are wishing for blogging.

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  1. » Whisky im Bild: C2C Spirits Cup (mit Teilnehmerbericht)

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