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Thoughts of a mixology novice

Aberlour A'bunadh - Batch 36

Aberlour A’bunadh – Batch 36

September 4, 2012 |  by  |  Zutaten  |  Share

Diesmal geht es in den Norden von Großbritannien, an die Spey, in die Aberlour-Destillerie und zu einem nicht ganz alltäglichen Single Malt.

Wie in vielen anderen Brennereien wurde dort vor einiger Zeit beschlossen, dass eine unfiltrierte Abfüllung in Fassstärke angeboten werden soll. Die auf den gälischen Namen “A’bunadh” (= aus dem Ursprung) getaufte Spirituose lagert – als weiteres Abgrenzungsmerkmal – nur in ehemaligen Oloroso Sherry-Fässern. Dem Master Distiller obliegt es dann mehrmals im Jahr, aus den verschiedenen Fässern jeweils einen neuen A’bunadh-Batch zu kreieren.

Die Ortschaft Charlestown of Aberlour wurde im Jahre 1812 gegründet, die Brennerei selbst 67 Jahre später. Ein Brand zerstörte 1890 zwar einen Großteil der Destillerie, allerdings konnten die Fähigkeiten von Charles Doig of Elgin genutzt werden, um eine moderne Whiskyproduktion einzurichten. Besagter Doig of Elgin war nämlich einer der erfahrensten Ingenieure in dieser durchaus nicht unangenehmen Baubranche.

Heutzutage werden laut Website 3,2 Millionen Liter Whisky pro Jahr produziert, teilweise weiterhin mit traditionellen Anlagen aus den letzten 100 Jahren. Der Ben Rinnes sorgt für das dazu nötige Quellwasser. Zu Beginn der Lagerung landet das Destillat mit 63,5% Vol. im Fass und wird für die verschiedenen Abfüllungen nach 10, 12, 16 oder 18 Jahren auf Trinkstärke verdünnt bzw. wie in unserem Fall in Fassstärke abgefüllt.

Damit wären wir wieder beim Thema und schauen, wie sich die 36. Abfüllung mit stattlichen 60,1% Vol. schlägt.

Aberlour A’bunadh: Verkostungsnotizen

  • Erscheinungsbild: Bernsteinfarben, langanhaltende und satte Schlieren. Schöne Reflexionen.
  • Geruch: Sherrynoten breiten sich direkt intensiv aus, in Verbindung mit angenehmen, trockenen Holzaromen. Eine nicht näher beschreibbare feine Frucht mischt sich danach ins Bouquet und wird von pfeffrigen und nussigen Tönen untermalt. Eine dezente Schärfe ist ebenfalls wahrnehmbar. Mit etwas Wasser verdünnt: Aromen bleiben soweit erhalten, wenn auch schwächer, und eine schärfere (!) Note kommt zum Vorschein.
  • Geschmack: Kräftig, sehr kräftig. Auf der Zunge ein satter “Aromenteppich”, welcher fast schon ins Zuckrig-Süße umschlägt. Am Gaumen wird es dann schwierig, noch eine brauchbare Beschreibung zu liefern. Ein Feuerwerk! In erster Linie Rauch, Torf und wieder Nuss, später auch leichte Leder- und angenehme Kaffeenoten, “überlagert” von Sherry. Aber, und das muss man wirklich hervorheben, wird der Whisky niemals scharf oder brennend. Er ist einfach nur kräftig …
  • Nachhall: … und erzeugt so einen langen, wärmenden und trockenen Abgang. Mit etwas Wasser verdünnt: Sehr rund, man braucht nur ein paar Tropfen, um einen ebenso aromenreichen, aber deutlich einfacher zu trinkenden Whisky zu erhalten. Mir scheint, dass die Sherry- und Nussaromen etwas verstärkt werden.

Aberlour A’bunadh: Informationen zur Abfüllung

  • Spirituosentyp: Single Malt Whisky
  • Herkunft: Speyside
  • Abfüller: Aberlour
  • Batch: 36
  • Alkoholgehalt: 60,1 %
  • Preis: 52 € (0,7l)

Aberlour A’bunadh: Fazit

  • Ein klasse Destillat! Für den Kenner bis zum ambitionierten Einsteiger bietet das Produkt viele Möglichkeiten, den Gaumen zu umschmeicheln. Man sollte ihn durchaus erst unverdünnt probieren, ich kann mir vorstellen, dass er auch so schon einige Anhänger gewinnt. Etwas aufgelockert dürfte er jedoch wesentlich breitentauglicher sein.
  • 8 von 10 Old Fashioneds Old Fashioneds

Meine Flasche habe ich übrigens Anfang August 2011 – irgendwie muss man das Porto bei zwei Paletten Tonic Water noch ausnutzen – in Großbritannien für £ 37,58 bei TheDrinkShop bestellt.

Dieser kleine Bericht lässt sich natürlich nur bedingt auf die anderen A’bunadh-Batches übertragen, zum Teil sollen die Abfüllungen geschmacklich recht großen Änderungen unterworfen sein. Ich hatte die Möglichkeit, den Vorgänger Nr. 35 mit 60,3 %  zu probieren, und kann das Geschmacksbild prinzipiell bestätigen. Anfänglich ist dieser Whisky schärfer, etwas unrunder, die Sherry-Note wirkt kräftiger. Im Laufe der Zeit milder in der Nase, trotzdem erscheint er nicht so rund wie die getestete Abfüllung. Der Abgang ist nicht ganz so wärmend. Ein Vergleich mit einem wesentlich neuerem – aktuell ist Nr. 40 im Handel erhältlich – oder älterem Batch wäre besonders reizvoll. Von meinem werde ich mit Freuden noch das ein- oder andere Glas trinken.

 

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