Das erste Mal in neuer Umgebung. Man gewöhnt sich aber schnell daran.
Um den Bogen von der letzten Review auf Saggin’ Jowls Ron zu spannen, stelle ich die dritte Rum-Abfüllung aus dem Hause A.D. Rattray vor: Den 18jährigen Pampero.
An dieser Stelle sei besonderer Dank an den “Commercial Director” Frances Dupuy gerichtet. Er teilte mir schon am 13. April letzten Jahres mit, dass die nun folgende Abfüllung venezolanischen Rums in Fassstärke abgefüllt werden wird. Eine Entscheidung, die angesichts des vorliegenden Rums zu begrüßen war!
Wer die Arbeitsweise von diesem unabhängigen Abfüller noch nicht kennengelernt hat, den möchte ich wieder auf den ursprünglichen Artikel verweisen.
Pampero ist vielen Rumfans von der einfachen “Pampero Aniversario”-, “Especial”- bzw. “Blanco”-Abfüllung sicherlich ein Begriff. Ich kenne Zweitere und bin der Meinung, dass es zwar ein grundsolides Produkt ist, mehr aber auch nicht. Ganz im Gegensatz zur Rattray-Abfüllung.
Das Unternehmen wurde 1938 von Alejandro Hernández in Venezuela gegründet, gehört mittlerweile aber zu Diageo. Hernández hat damit den Grundstein für hochwertige Rumproduktion im Land gelegt, konnte es durch seinen wachsenden Einfluss gar zum Gouverneur von Nueva Esparta bringen und sich für die Präsidentschaftswahl aufstellen lassen. Die Herstellung findet zum Großteil in dem noch in Familienbesitz befindlichen “Hacienda La Guadalupe”-Anwesen, Bundesstaat Miranda, statt. Bei den Standardprodukten kommt dabei ein Blendverfahren zum Einsatz – dementsprechend ist solch eine Single Cask-Abfüllung etwas Besonderes für Pampero.
Die regulären Produkte sind stark im italienischen, spanischen und natürlich venezolanischen Markt vertreten.
Wie jedoch schlägt sich das Destillat – und liegt hier eine Kaufempfehlung vor?
Pampero A.D. Rattray 18 Years: Verkostungsnotizen
- Erscheinungsbild: Bernsteinfarben, satte Schlieren und Reflexionen. Nett anzuschauen.
- Geruch: Schon von weitem eine süßliche Note wahrnehmbar, anschließend mischt sich etwas Tabak hinunter. Dabei hängt eine scharfe, dumpfe Note in der Nase, die 48,5 % Vol. machen sich doch bemerkbar. Mit der Zeit ergeben sich dann noch Ledernoten, untermalt von etwas Nuss und Pfeffer. Es kommt durchaus zu Assoziationen mit feinen Zigarren. So langsam lässt auch die Schärfe nach – der Rum braucht etwas Zeit, um sich zu entfalten.
- Geschmack: Volumen – das hat er, definitiv. Wie so oft ist der Start eher süßlich auf der Zunge, am Gaumen geht es dafür richtig los. Tabakaromen, gereiftes Holz, Toffeenoten machen sich sofort bemerkbar und harmonieren wunderbar miteinander. Dabei keineswegs zu fad oder von einer klebrigen Süße überlagert, perfekt ins eher Trockene ausbalanciert.
- Nachhall: Der Abgang erfolgt mittellang, aber ausdrucksstark. Vielleicht mit dezenter Rauchnote im Hintergrund. Für die Qualität spricht zudem, dass weder Brennen noch Kratzen folgen.
Pampero A.D. Rattray 18 Years: Informationen zur Abfüllung
- Spirituosentyp: gereifter Rum aus Melasse
- Herkunft: Venezuela
- Abfüller: A.D. Rattray
- Lagerdaten: 22.09.1992-27.04.2011
- Fassnummer: 14
- Alter: 18 Jahre
- Alkoholgehalt: 48,5%
- Preis: 46€ (0.7l)
Pampero A.D. Rattray 18 Years: Fazit
- Klasse Brand! Ein einprägsamer Rum mit gefälligem, typisch maskulinem Aromenprofil. Die 48,5 % Vol. stehen ihm gut zu Gesicht, ebenso wie die richtig gewählte Lagerzeit von 18 Jahren. Sofern man die Abfüllung noch auftreiben kann, liegt hier eine klare Kaufempfehlung vor.
Old Fashioneds
“What paradise must taste like …”, so lautet das Fazit der Beschreibung auf dem Rücketikett. Dem kann ich wirklich zustimmen. Diese durchaus exklusive Flasche – auch hier sind lediglich 236 Flaschen aus Fass 14 abgefüllt worden – reiht sich gut bei seinem Vorgänger, dem Caroni, ein. Inzwischen sind zwei weitere Abfüllungen erschienen, die qualitativ ebenfalls hervorstechen. Entsprechende Reviews werden selbstverständlich an dieser Stelle erscheinen!
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Schöner Einstand!
Ein großer Rum, der zu Recht leider schon bis auf die letzte Flasche ausverkauft ist.
Einzige Anmerkung: den Rauch bei diesem Rum finde ich keineswegs dezent, vielmehr ist er m.E. eines seiner charakteristischen Merkmale. Ich würde mich hier gar auf eine Reifung in einem Islay-Fass festlegen. Für einen Rum ist dieser Rauch schon sehr extrem.
Mit besten Grüßen,
TigaLina
Vielen Dank!
Weißt du, aus welchem Fass deine Abfüllung stammt? Der Rauch ist da, ganz klar. Aber so dominant sehe ich ihn nicht.
Die Idee mit dem Islay-Fass ist interessant – hast du dies bezüglich weitergehende Informationen? Mit Ausnahme des Monymusks von A.D. Rattray gibt es bei den Abfüllungen ja keine (für Rum) sehr ungewöhnlichen Aromenprofile. Daher würde es mich wundern, wenn gerade beim Pampero ein Ausbau in gebrauchten Whiskyfässern stattgefunden hätte und dies nirgends vermerkt ist.
Grüße,
Tim
Gern!
Ich habe selbst keine ganze Flasche des Rums, “nur” ein Sample. Daher kann ich da leider keine Angaben machen.
Bezüglich des Islay-Fasses gibt es nichts offizielles, da habe ich mich auf meinen Geschmack verlassen. Ich kann mir die derart starke Rauchnote im Vergleich zu den normalen Pamperos einfach nur so erklären.
Ich sprach neulich mit Lesist darüber und ihm ging es ganz ähnlich. Er probierte daraufhin einen Blend aus Pampero Aniversario und einem Hauch Laphroaig Quarter Cask und stellte einige Parallelen fest, was den Verdacht bestätigte.
Und in der Tat, auch beim Monymusk habe ich den Verdacht, dass er in einem Single Malt Fass lag (siehe: http://mixed-and-finestrained.blogspot.de/2012/04/jamaica-monymusk-distillery-ad-rattray.html ). Der Rauch ist dort aber deutlich weniger extrem.
Dass sie das nicht dran schreiben wundert mich aber auch, vor allem da Rattray vorbildlich viele Angaben auf der Flasche macht.
Beste Grüße,
TigaLina
Da die Kommunikation mit A.D. Rattray bisher gut verlief, werde ich versuchen, noch mehr herauszubekommen. Jetzt interessiert es mich nämlich auch.
Gerade schickte mir Frances Dupuy eine E-Mail, seines Zeichens Commercial Director von A.D. Rattray: Es findet definitiv kein Finishing statt.
Auf die Frage, ob die Rums in der Karibik oder in Großbritannien reifen, wollte er mir so recht keine Antwort geben (Betriebsgeheimnisse müssen schließlich erlaubt sein
). Sie kommen auf verschiedenste Art und Weise zu A.D. Rattray, manche lagern in der Karibik und manche eben vor Ort.
Einige Abfüllungen werden wir auch noch erleben dürfen, was sie wann abfüllen, entscheide der Reifegrad des Produktes und die Marktlage.
Damit finde ich es umso interessanter, was für ein glückliches Händchen A.D. Rattray bei ungewöhnlichen Fässern hat, schließlich erwarten die wenigsten bei einem Pampero solche Aromen. Schön, was für Überraschungen es immer wieder gibt!