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Die Geschichte des Gins Teil 13

Die Geschichte des Gins Teil 13

June 20, 2011 |  by  |  Zutaten  |  Share

1914-1918  – Der Erste Weltkrieg

Zu Beginn des Jahres 1915 verursachte der Ertse Weltkrieg zu Recht große Besorgnis in England. Die Anglo-französischen Kräfte fuhren sich in Flandern fest und versäumten es die deutschen wie geplant an Weihnachten 1914 zu schlagen. Zu dem waren die Truppen demoralisiert aufgrund des Engpasses an Artilleriegranaten. Der damalige Premierminister, Herbert Asquite, führte die Demoralisierung und den bisherigen Misserfolg darauf zurück, dass seine Truppen zu viel tranken nicht aber auf den Engpass bei den Kriegsmitteln. Vor diesem Hintergrund führte er ein Gesetzt zum Schutz des Reiches ein: „The Defence of the Realm Act“ kurz: DORA. Dieses Gesetzt Verpflichtet alle Brenner, die Spirituosen produzierten, die gelagert werden mussten, diese mindestens für drei Jahre zu tun. Bis zu diesem Zeitpunkt wurde Whisky als Beispiel nur für besondere Blends so lange gelagert. Gin war von diesem Gesetzt nicht betroffen, da er keine Lagerung benötigt. Was auch gleich zu einer Erhöhung der Produktion und des Konsums führte. Der Erste Weltkrieg führte auch dazu, dass die letzte Runde in einem Lokal gesetzlich zwischen 22:30 Uhr und 23:00 Uhr ausgerufen werden musste, da die Arbeiter der Munitionsfabriken am nächsten morgen wieder fit und reif für einen frühen Arbeitsbeginn sein mussten. Diese tragische Vorschrift konnte jedoch den Durst nach Cocktails und Gin nicht eindämmen.

 

1920 – 1933 – Die Prohibition

Prohibition

Oh dear!!! Die Damalige Trinkkultur, die vorwiegend aus dem Genuss von puren Spirituosen; hauptsächlich von Männern genossen, bestand passte der Women´s Christian Temperance Union (christliche Frauenvereinigung der damaligen Zeit) überhaupt nicht. Die Männer waren oft aufgrund ihrer Arbeit wochenlang von zuhause weg und anstatt ihr hart verdientes Geld der Familie zu gute kommen zu lassen vertranken sie es oft schon vor Ort. Die Saloons der damaligen Zeit boten oft kostenfreie Mittagessen für die Arbeiter an um sie so in die Gastronomie zu locken.

Bevor die Prohibition in kraft tratt versuchten Amerikanische Senatoren dem wachsende Alkohlproblem ihrer Bevölkerung mit dem Volstead Act entgegen zu tretten. Dieses Gesetzt verbot es in der Freizeit alkoholische Getränke zu sich zu nehmen die mehr als 0,5 Vol. % hatten.

Im Jahr 1919 begann Amerika “mit seinem edlen Experiment” und die Brennereien, die es nicht schaften ihre Produktion auf „medizinisch“ genützten Alkohol umzustellen mussten schließen. Die meisten Barkeeper verließen ihr Land – Harry Craddock kam in die Savoy Bar – viele Andere gingen nach Kuba. Auf Kuba begann eine neue Blütezeit. Den an den Wochenenden brachten luxuriös ausgestattete Fähren die Amerikaner zum trinken auf die Insel. Einige Barkeeper entschieden sich weiter in den Statten zu blieben und es entstand daraus die wunderbare Welt der Speakeasys – Orte die eine Mischung aus Bar, Restaurant und Club waren und wo man dem Alkoholkonsum weiter frönte. Im Gegensatz zu den Saloons zogen die Speakeasys sowohl Frauen wie auch Männer an jedoch keine Huren.

Diese illegalen Orte waren meist luxuriöser eingerichtet als ihre legalen „Vorgänger“ und besassen ein ausgeklügeltes Alarmsystem, das innerhalb von Sekunden reagierte um den illegalen Konsum zu verschleiern.

Die Prohibition macht vor allem der Entwicklung der Cocktails zu schaffen. Es machte wirtschaftlich Sinn Gin in guter Qualität zu schmuggeln was Leute wie Capone taten. Jedoch waren sie nicht daran interessiert Vermouth oder Bitters zu schmuggeln, da es hierfür keinen Markt gab. Gut bestückte Backboards waren zur damaligen Zeit eher unüblich, da sie viel Zeit bei der Verschleierung in Anspruch nehmen würden falls die Bar aufflog somit wurden meist Flaschengetränke ausgeschenkt.

Al Capone

Obwohl die bessern Speakeasies Spirituosen von guter Qualität verwendeten gab es eine große Menge an hausgemachten giftigen Spirituosen auf dem damaligen Markt. Die Problematik lag darin, dass viele versuchten aus dem Industriealkohol (vor allem aus Frostschutzmittel) die Giftstoffe selbst zu entfernen. Waren hier nicht erfahrene Chemiker am Werk so war das Ergebnis des Reinigungsprozesses tödlich.

In dieser Zeit entstand auch das heute als „Badewannen-Gin“ bezeichnete „Produkt“. Hier wurde der gereinigte Industriealkohol mit Wacholderöl und Glycerin in großem Mengen gemischt.

Das Ergebnis war ein Produkt welches im besten Fall lediglich mit Fruchtsäften oder z.B. mit Sahne zu genießen war. Der Geschmack von Alkohol war bisheriger zentraler Bestandteil von Cocktails. Aufgrund der Tatsache, dass höherwertige Produkte nicht mehr verfügbar waren begannen Drinks wie der Alexander ihren Aufstieg. Für die englischen Brenner war die Prohibition eine gute Zeit. Die durstigen Amerikaner waren bereit einen hohen Preis für das Englische Premium Produkt zu bezahlen welches zur damaligen Zeit unter dem Namen „Real McCoy“ bekannt war. Also schickten die Engländer auf dem Seeweg große Mengen ihres Produktes nach Kanada und auf die West Indies von wo aus der Schmuggel betrieben wurde.

Der Name „McCoy“ bezog sich auf einen kanadischen Bootsbauer namens William (Billy) McCoy, der während der Prohibition Whisky von Nassau und Bimini über die Ostküste in die Vereinigten Staaten schmuggelte. McCoy war für die Qualität seiner geschmuggelten Ware bekannt und so entstand der Name „the Real McCoy“.

Das Edle Experiment wurde schließlich am 5. Dezember 1933 zu großen Teilen beendet. Der Bedarf an London Dry Gin war im Anschluß um ein Vielfaches höher als vor der Prohibition und in einer Welt nach dem Ersten Weltkrieg und folgender Depression stand Gin und Cocktails synonym für Glamour.

 

1930 – Savoy Cocktail Book

Savoy Cocktail Book

Wie oben schon erwähnt zog es Harry Craddock während der Prohibition nach England. Hier errichtet er im Savoy Hotel die ersten American Bar der alten Welt. Schnell wurde er zum berühmtesten Barkeeper in England. Im Jahr 1930 veröffentlichte das angesehen Savoy Hotel ein Cocktail Buch mit rund 750 Rezepten, die von Craddock zusammengestellt wurden und mit Illustrationen von Gilbert Rumbold ergänzt wurden. Das Buch wurde mehrfach neu aufgelegt zuletzt mit zusätzlichen Texten und Cocktails von Peter Dorelli.

 

1933 – Gordon´s beginnt mit der Produktion in den Staaten

Als das Verbot zur Herstellung von Alkohol im Jahre 1933 aufgehoben wurde, erbaute der Besitzer von Gordon´s, Tanqueray Gordon, eine riesige Brennerei und Abfüllanlage in New Jersey. Weiter folgten im Jahr 1965 in Illinois und in Kalifornien im Jahre 1971.

 

1939 – 1945 – Der Zweite Weltkrieg

Nach der Weltwirtschaftskrise, rutschte Europa direkt in den Zweiten Weltkrieg, dem die Amerikaner im Jahre 1941 beitraten.

In Großbritannien wurden Spirituosen nicht offiziell rationiert, allerdings waren viele Produkte, abgesehen vom Schwarzmarkt, nicht zu bekommen. Die durch die legitimen Kanäle eingeführten und produzierten Spirituosen verdoppelten die Einnahmen aus der Verbrauchssteuer auf Alkohol in dieser Zeit.

Sehr wenige von London ‘s Brennereien entgingen den Schäden während der schweren Bombardierungen. Einige Geschichten erzählen davon wie Brandbomben in Destillen einschlugen aber nicht explodierten. Plymouth war ein wichtiger Marinestützpunkt und folglich war er ein Ziel der

deutschen Luftangriffen. Obwohl die Brennerei getroffen wurde gab es nur

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geringfügige Schäden und die Produktion konnte während des Krieges fortgesetzt werden. Die Tanqueray Brennerei wurde fast vollständig während der großen Luftangriffe von 1941 zerstört. Nur ein Standbilder von “Old Tom” „überlebte“. Heute steht es in der Cameron Bridge Distillery in Schottland. Nach dem Krieg war Gin um einiges schneller verfügbar wie schottischer Whisky was zur Folge hatte, das die Umsätze schnell über das Vorkriegsniveau stiegen.

Während des Krieges Hatte man keine Zeit sich um „Beiläufigkeiten“ wie Cocktails zu kümmern – auch wenn die meisten Zutaten zur Verfügung standen.  In Großbritanien gab es nach dem Krieg eine strenge Rationierung der Lebensmittel die bis 1953 aufrecht erhalten wurde. In vielen anderen europäischen Ländern sah es nicht anders aus bzw. die Menschen waren mit anderen Dingen beschäftigt als sich mit Trinkkultur auseinander zu setzten. So ruhte die Trinkkultur und als Bestandteil von ihr Cocktails bis in die 1980/1990, zumindest in der alten Welt.In den USA waren die Bedingungen etwas besser. Hier wurden Cocktails weiter am Leben gehalten. Gin-Cocktails vor allem in Form des Dry Martinis.

 
5 Kommentare
  1. stimmen die Jahreszahlen???

  2. Zählt Gin eigentlich dann auch zu Cocktails? hab nämlich gerade über die Begriffsherkunft des Namens Cocktails was gelesen(Le Bouquet
    Die Geschichte des Gins ähnelt sich nämlich gar nicht mit der des Cocktails…

    Vielleicht kannst du ja die Frage beantworten

    Rike

  3. Die Jahreszahlen dürften stimmen. Aber über neue Quellen bin ich immer dankbar.

    Gin ist kein Cocktail sondern einer der Basisspirituosen und by the Way eine der Lieblingsspieituosen der Bartender. Cocktail bezeichnet eine Drinkkategorie so wie Sours, Fizzes, etc. Davon gibt es weit mehr als 30 Stück.
    Heute hat sich das Wort umgangssprachlich als Synonym für alle gemischten Getränke eingeschlichen.

    Ich such dir mal noch ein paar gute Quellen zum lesen raus.

  4. Zunächst einmal: Sei gegrüßt, mein Namensvetter ;-)

    So, jetzt habe ich mich durch fast alle Teile der Gin-Geschichte gegraben. Wow, muss ich sagen, da sind doch viele neue Informationen dabei!!

    Finde ich übrigens toll, mal so einen kompletten Überblick zu bekommen. Danke dafür!

  5. Vielen Dank dafür. Einen letzten Teil gibt es noch :-)

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