Der Rum, um den es sich in den folgenden Zeilen drehen wird, ist ein wenig exotisch und sein Herkunftsland Nepal wird nur in den seltensten Fällen als typische Rumnation aufgezählt. Wahrscheinlich würde das Produkt auch viel weniger wahrgenommen werden, wenn da nicht die auffällige Verpackung wäre. Ich muss gestehen – sie hat den Kauf bei mir zwar nicht bewusst beeinflusst, aber war am Ende vielleicht doch das i-Tüpfelchen, dass ich den Rum nicht weiter auf der Warteliste belassen haben.
Letztendlich steht aber nun der Coronation Khukri XXX vor mir, in einer Flasche, die dem namensgebenden, typisch nepalesischen Dolch Khukri, nachempfunden ist. Über die Herkunft des XXX findet sich leider keine weiteren Informationen.
Der Rum wird in Kathmandu von der Nepal Distillery Pvt. Ltd. (NDL) produziert und abgefüllt. Die dort vorherrschenden kühlen Klimabedingungen, die saubere Luft und das frische Quellwasser sollen laut (wohl schon lange nicht mehr aktualisierter) Website die Qualität des Rums besonders positiv beeinflussen. Die NDL selbst besteht schon seit den 1960er und scheint in Nepal das führende Spirituosenunternehmen zu sein. Ob der Rum selbst 80% Marktanteil in Nepal hat oder (was für mich wahrscheinlicher ist) 80% der Produktion der NDL ausmacht, konnte ich der Website nicht klar entnehmen. Produziert wird heutzutage in modernen Column-Stills, die anschließende Lagerung in Holzfässern dauert mindestens 8 Monate.
Es sind mindestens zwei verschiedene Rumabfüllungen im Umlauf. Einerseits der hier vorgestellte “Coronation Khukri XXX” in der Dolchflasche und andererseits Rum nur namens “Khukri XXX” in einer regulären Flasche. Ob diese normalen Flaschen nun den selben Rum enthalten, oder nur den gleichen Rum aus verschiedenen Abfüllungen, ist nicht endgültig geklärt, denn die Website lässt den Konsumenten auch hier im Unklaren und die Rumfreunde von Ministry of Rum sind sich ebenfalls nicht einig.
Bevor es nun endlich an die relevanten Tastingnotizen geht, noch eine kleine Warnung: Die versprochenen Standfüße sind – gelinde gesagt – ein optischer Fehlgriff. Aus dickwandiger Pappe muss man sich zwei kleine “Böcke” falten und die Flasche drauflegen, das sieht einfach nicht gut aus im Regal. Schade, denn der Dolch selbst zieht ja nun einige Blicke auf sich. Wo wir schon bei der Verpackungskritik sind: Beim Verschluss ist ebenfalls Vorsicht geboten. Der schwarze Griff ist einfach aufgesteckt, darunter ist ein normaler Schraubverschluss zu finden. Dreht man jedoch am Griff kann dies den Verschluss öffnen und Flecken verursachen…
Egal, es zählt schließlich der Inhalt. Da kann die Verpackung noch so schön sein, wenn das Produkt nichts taugt, kommt es auch nicht ins Haus. Und natürlich andersherum
Coronation Khukri XXX Rum: Verkostungsotizen
- Erscheinungsbild: Dunkles Nussbraun, sehr eigen. Bei der kurzen Lagerzeit muss eigentlich Zuckercouleur geholfen haben. Leichte Schlierenbildung im Glas, ansonsten sauberer und klarer Eindruck.
- Geruch: Ungewohnt für Rum. Dumpf-süßlich, leicht metallisch und nach Erde. Später kommen noch Holz und Nuss/Marzipan-Aromen hinzu. Der Geruch bleibt eher schwer in der Luft hängen.
- Geschmack: Auf der Zunge anfänglich trocken, dann immer süßer je weiter es Richtung Gaumen geht. Sherrynoten kommen hervor.
- Nachhall: Am Gaumen dann schwierig zu beschreiben, ein wenig Karamell abgeschwächt durch eine unbestimmte Würze. Hat ein wenig was von einem gut gefüllten Humidor. Im Abgang folgt leicht bitterer Kakao.
Coronation Khukri XXX Rum: Informationen zur Abfüllung
- Spirituosentyp: gereifter Rum aus Melasse
- Herkunft: Nepal
- Abfüller: Nepal Distillery Pvt. Ltd.
- Alter: keine Angabe
- Alkoholgehalt: 42,8%
- Preis: 25€ (0,35l)
Coronation Khukri XXX Rum: Fazit
- So “maskulin” wie ihn einige Onlineshops anpreisen, finde ich den Khukri nicht. Er bietet keine starken Aromen, diese sind immerhin halbwegs differenziert, ist aber nie wirklich stark oder gar “fordernd”. Ein netter Rum für Zwischendurch – nicht mehr und nicht weniger. Angesichts der Preises würde ich aber andere Empfehlungen aussprechen – es sei denn, der Sammlertrieb kommt durch und man möchte nepalesischen Rum in Dolchflaschen.
Old Fashioneds
Wo ich vorhin schon den Geruch nach einem gut gefüllten Humidor erwähnte – mit einer leichten Zigarre könnte ich mir durchaus eine feine Harmonie vorstellen. Jedoch soll sich der Schwerpunkt hier ja auf Flüssiges beschränken. Dementsprechend suchte ich nach einem passenden Cocktail, wo dieser Rum seine Stärken ausspielen könnte. Sours hatte ich in letzter Zeit genug, also fiel die Standardempfehlung zum Testen schonmal flach.
Ich suchte, aber was wirklich passendes wollte sich nicht finden. Solche “mittelschweren” Rums sind immer schwierig einzusetzen. Dann entdeckte ich in “… and a Bottle of Rum” von Wayne Curtis angeblich das 1948er Rezept von Trader Vic für den Myrtle Bank Punch (welcher schon eine Rolle als Grundlage für den “Hell in the Pacific” spielte) und konnte mir hier den Rum ganz gut vorstellen – zwar nicht als herausragende Spirituose, aber in einer schönen Harmonie mit dem Maraschinolikör. Eine kurze Suche in anderen Büchern und Onlinemedien förderte leider nur wenig brauchbares zutage – anscheinend haben die meisten nie trennscharf zwischen dem ursprünglichen Myrtle Bank Punch und dem neueren Hell in the Pacific unterschieden… So groß sind die Unterschiede nun auch nicht, aber erzeugen sie doch meiner Meinung nach letztendlich einen komplett anderen Drink.
Myrtle Bank Punch
- 1BL Barzucker
- Sodawasser
- 2,25cl Limettensaft (frisch gepresst)
- 1,5cl Granatapfelsirup (Giffard)
- 1,5cl Maraschinolikör (Luxardo)
- 4,5cl gereifter jamaikanischer Rum (durch Khukri substituiert)
- Zucker, Limettensaft, Granatapfelsirup und Rum gemeinsam auf Eis shaken, auf Cracked Ice in ein Longdrinkglas geben und mit etwas Soda auffüllen. Zum Schluss den Maraschinolikör floaten. Nach Belieben dekorieren und mit Trinkhalm servieren.
Das Aussehen ist auffallend, ein tiefes Kirschrot, ganz dezenter Farbverlauf und ein insgesamt recht harmloses Bild. An der Nase kommt zuerst die typisch bittere, klare Note des Maraschinolikörs hervor. Darüber hinaus taucht erstaunlich süßlicher Rumgeruch auf. Durchaus komplex scheint der Drink zu sein, nach einer kurzen Wartezeit harmonieren die unterschiedlichen Komponenten ganz gut.
Der Geschmack ist gefällig. Ein leichtes Kribbeln durch das Soda macht sich angenehm bemerkbar, einige “Stärke” wird dadurch gebremst. Auf der Zunge nimmt man in erster Linie die süßlichen Komponenten wahr, bis sie sich geschickt mit dem Maraschino verbinden. Im Abgang tritt der Rum stärker auf, während die anderen Bestandteile sich zurückziehen. Feiner Übergang, der Abgang bleibt sanft und leicht säuerlich. Die Offenbarung ist der Cocktail nun zwar nicht, aber durchaus brauchbar. Durch das Soda schön leicht, könnte sich auch als Nachmittagsdrink eignen.
Jetzt stehe ich hier mit dem Rum und frage mich, was ich damit anstellen soll. Gelegentlich pur trinken? Da habe ich spannendere Sachen. In Cocktails verwenden? Schwierig. Im Schrank als Deko stehen lassen? Wenn da nicht die Standbeine wären …
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Sehr gute Seite mit vielen Informationen, finde leider kein allgemeines GB oder wo ich das hier posten könnte; Aber für so gute Arbeit muss man auch mal ein Lob los werden.
Danke und weiter so.
Gruss Hartmut
Vielen Dank!
Geht demnächst wohl auch wieder etwas aktiver weiter