Fünf Tage Berlin: Jede Menge Bars, ein Whisky Händler, ein Blog Battle und zur Krönung das erst Mal den BCB besuchen erleben.
Freitag
Noch halb krank machten sich mein guter Freund Mike und ich uns Freitag Mittag auf den Weg in das weit entfernte Berlin und waren schon sehr gespannt, was uns die nächsten Tage in der Hauptstadt erwarten würden. Nach dem ersten Schock, über das doch etwas einfach eingerichtete Hostel-Zimmer, machten wir uns mit Cocktails Old Fashioned Autor Hannes und seiner Freundin Uschi auf dem Weg zum Restaurant 12 Apostel (danke an Eichi!) und bereiteten uns dort mit sehr leckeren Speisen und etwas Wein auf den ersten Barbesuch vor. Die erste Anlaufstelle war, wie im April auch, das Stagger Lee.



Was soll man sagen, auch beim nächsten Berlin Besuch wird das Stagger Lee mit ganz oben auf der Liste der zu besuchenden Bars stehen. Die Musik ist einmalig, die Cocktails spitze, der Service schnell/freundlich und die Einrichtung versetzt einen in längst vergangene Zeiten. Auch wenn die bequemen Sofas zu später Stunde gefährlich gemütlich sind, wenn man noch um seine Gesundheit kämpft und nicht ganz fit ist. Von den Cocktails kann ich vor allem den vorzüglichen Continental Sour und den starken, aber sehr leckeren Old Fashioned mit Baker’s Bourbon empfehlen.
Adresse: Nollendorfstraße 27, 10777 Berlin
Telefon: 030 29036158
Website: www.staggerlee.com
Da wir an dem Abend schon in der Nähe des Lebensstern waren, mussten wir wohl oder übel auch dort vorbei schauen. Nach wenigen Minuten wurde glücklicherweise das hintere Zimmer frei, so dass wir von allerlei Spirituosen umringt den Abend ausklingen lassen konnten.
Meine Wahl fiel auf zwei Abfüllungen von Bristol Classic:
- Rockley Still 1986/2008 Madeira Finish 46%, Barbados: Aus meinem Geburtsjahr und mit Abstand der beste Rum aus Barbados, den ich bis zum heutigen Tage probieren durfte. Komplex, kräftig, lecker – was kann man sich mehr wünschen. Ein Rum, der Aufmerksamkeit fordert und diese auch bereitwillig erhält. Manche mögen fast den Begriff anstrengend verwenden. Darüber lässt sich, wie so oft, streiten.
- Ron Paraiso 41,5%, Kuba: Neben der kubanischen Abfüllung der Alambic Serie, der einzige Rum aus Kuba, den ich richtig gut finde. Natürlich nicht vergleichbar mit dem Rockley Still, aber trotzdem noch sehr komplex, ein fantastischer Geruch und eine für mich sehr ungewöhnliche und deutliche Honignote.
Adresse: Kurfürstenstraße 58, 10785 Berlin
Telefon: 030 26391922
Website: www.cafeeinstein.com
Samstag
Am folgenden Tag machten sich Mike und ich auf den Weg zu Finest Whisky. Eigentlich wollte ich diesem erstklassigen kleinen Laden schon länger einen Artikel widmen, leider fehlte hierzu aber die Zeit. Um es kurz zu machen, wer in Berlin ist, sich für Rum oder Whisky interessiert sollte dort schnellstens vorbei schauen!
Uwe Wagmüller hat auf wenigen Quadratmetern einen waren Schatz an Whisk(e)y, Rum und anderen Spirituosen angehäuft. Vor allem die Auswahl an unabhängigen Abfüllern hat mich begeistert. Selbst bei Rum finden sich Silver Seal, Samaroli, Bristol Classic, Berry Brother & Rudd, Velier und weitere. Für jemanden, der speziellere Rums mag, eine willkommene Abwechslung. So nebenbei ist natürlich die Beratung und Service außerordentlich kompetent und freundlich, die Preise stets fair bis günstig und es stehen auch immer einige Abfüllungen zum Probieren bereit. Insgesamt für mich der beste (mir bekannte) lokale Händler (damit meine ich nicht nur Berlin, sondern allgemein… sorry #2 Tabakstube!
).
Adresse: Winterfeldtstr 48, 10781 Berlin
Telefon: 030 23635172
Website: www.finestwhisky.de
Wie schon im letzten Artikel über Berliner Bars angekündigt, gibt es eine Bar, die wir unbedingt wieder besuchen mussten: die Triobar. Zusammen mit einigen anderen C&D-Schreiberlingen und unseren lieben Stalkern vom Stagger Lee und Lebenstern fanden wir uns so am Samstag Abend kurz nach acht bei Mike Meinke und Dirk Becker ein und hatten einen wunderbaren Abend mit tollen gemixten und ungemixten Getränken.
Als Rum Fan musste ich zu Beginn natürlich gleich den Black Tot “Last Consignment” British Royal Naval Rum probieren. Leider ist der gute Tropfen sehr teuer, so dass ich niemandem empfehlen würde, eine ganze Flasche zu kaufen, aber man sollte ihn mal probiert haben. Allein der Geruch bestätigt sofort, dass etwas Besonderes getrunken wird und man schleunigst aufhören sollte, über den Preis nachzudenken.
Desweiteren hatte ich wieder das Vergnügen eines Rum Old Fashioneds, diesmal mit Silver Seal Long Pond 1986 50% (86er Rums haben einfach was besonderes!) – sehr lecker. Ich bin schon gespannt was für einen Rum es beim nächsten Mal geben wird.
Telefon: 0163- 207 5677
Website: www.triobar.net
Sonntag
Der Barconvent Berlin 2010 näherte sich langsam aber sicher mit großen Schritten, so dass auch meine Freundin Lissy und mein weiterer guter Freund Andi am Sonntag Mittag in Berlin eintrudelten. Auf Grund des schönen Wetters gab es keine weiteren Programmpunkte, stattdessen saßen wir nur in der Sonne und liesen es uns gut gehen.
Abends machte ich mich auf den Weg zum Maker’s Mark Dinner im Soho House Berlin, wo ich gleich auf Phlipp und Torben von Trinklaune traf. Zum Glück muss man sagen, sonst hätte ich auf dem Event niemanden gekannt. Für mich war es der erste Abend dieser Art und obwohl es natürlich eine Marketing Veranstaltung war, waren die Drinks lecker, das Essen mundete (bis auf das Lamm
) vortrefflich und es ergaben sich nette Gespräche. Das Beste am Abend war aber das Soho House an sich: wunderbare Einrichtung in großartiger Architektur! Schade, dass normalerweise nur Mitglieder des Clubs Einlass gewährt bekommen.
Adresse: Torstraße 1, 10119 Berlin
Website: www.sohohouseberlin.com
Direkt nach Ende des Dinners machten wir uns auf den Weg zum Tausend, wo die Traveling Mixologists ihr alljährliche inoffizielle Eröffnungsparty des BCB veranstalteten. Leider war die Bar schon so voll, dass wir kurz darauf gleich weiter in die Amano Bar fuhren.
Dort war es glücklicherweise um einiges leerer und man musste auch nicht eine halbe Ewigkeit auf seine Cocktails warten. Die Amano Bar ist sehr stilvoll eingerichtet und bietet zahlreiche Elemente aus Marmor, inklusive der großen Bar. Die Cocktailkarte bietet neben zahlreichen Klassikern auch einige Eigenkreationen und Variationen, welche unsere Runde teilweise heftigts gespalten hatte – allen voran der Fat Julep. Meine Freundin und ich hielten uns diesen Abend mal wieder an Old Fashioneds, welche alle mit einem Ball aus Eis verziert daher kamen. Eine schöne Bar mit ausgezeichneten Drinks!
Adresse: Auguststraße 43, 10119 Berlin
Telefon: 030 809415-0
Website: www.hotel-amano.com
Montag – BCB 2010, Tag 1
Kurz nach Zwölf öffneten sich die Türen zum Barconvent und die ersten erwartungsvollen Besucher strömten in den Postbahnhof. Einige begaben sich erstmal zum Imbissstand oder zum Shop um den neuen The Bitter Truth Berlin Bitters zu erwerben. Nach einem kurzen Frühstück drehten wir eine kleine Runde durch die Halle und probierten sogleich eines der Highlights der Messe: den Mozart Schokoladen Bitters. Dieser bietet im Gegensatz zum The Bitter Truth Xocolatl Bitters einen reinen Schokoladen-Geschmack und sollte sich in Cocktails ausgezeichnet schlagen.
Daraufhin begann auch schon das Rum Tasting mit Ian Burrell. Der Rum Botschafter vermittelte über 1 1/2 Stunden auf seine ganze besondere Art allerlei Hintergrundinfos zu den 14 verkosteten Rums. Neben zahlreichen Standardabfüllungen gab es auch den Chantal Comte La Tour de L’Or Brut de Futs 57.4% zu probieren. Ein wahrlich außergewöhnlicher und kräftiger Rhum Agricole!
Bevor das Abendprogramm begann, sahen wir uns noch die Podiumsdiskussion zum Thema Speisen-Angebot in Bars und den Vortrag zum Thema Tiki von Beachbum Berry an. Von den eigentlichen Ausstellern bekamen wir am ersten Tag kam etwas mit. Das Tasting, die Vorträge und zahlreiche Gespräche verschlangen einfach zu viel der wertvollen Zeit. Gut, dass die Messe nicht nach einem Tag schon vorüber war.
Am Dienstag Abend lud Sailor Jerry die Teilnehmer des Blog Battle zu einem gemeinsamen Abendessen im Fellas ein – schönes Ambiente in Verbindung mit sehr schmackhaftem Essen, was kann man sich mehr wünschen. Danach ging es weiter ins Roardrunner’s, wo die fünf Gewinner-Cocktails des Wettbewerbes von Hidetsugu Ueno (im genialen Outfit), Caroline Anais Rex, Indika Silva, Sven Riebel und Mario Kappes (mit faszinierenden Flair Tricks) gemixt wurden. Zu späterer Stunde unterhielten Daddy Hemmingway die Gäste ausgezeichnet.
Zum Sailor Jerry Spiced Rum: Nach dem ich auf dem BCB und dem Rum Fest London den Chairman’s Spiced und Elements 8 Spiced probieren konnte, ist meine Meinung zum Sailor Jerry Spiced etwas gesunken. Ich halte ihn zwar immer noch für ein ordentliches und kein schlechtes Produkt, allerdings würde ich auf jeden Fall den Chairman’s Spiced (oder den Elements 8 Spiced, falls das Portemonnaie besser gefüllt ist) vorziehen. Beide bieten mehr geschmackliche Tiefe bei einem meiner Meinung nach besseren Preis-/Leistungsverhältnis.
Später nutzten wir noch den Shuttleservice und schauten auch bei der Tiki Party der Triobar und des Rumclubs vorbei. Wie gewohnt gab es erstklassige Getränke in gemütlicher Umgebung.
Dienstag – BCB, Tag 2
Kurz nach Beginn des zweiten Tages lockte der Vortrag Champagner für alle! von Hendrik Thoma und dem Le Lion Team so einige Besucher zur Main Stage der Messe. Auf überaus lockere und witzige Weise diskutierten Mario Kappes und Hendrik Thoma ausführlich über den Einsatz von Champagner in Bars und dass es zum Mixen von Cocktails nicht immer unbedingt der König der Schaumweine sein muss, sondern auch ein guter Sekt oder Crémant den weiteren Zutaten genüge tut.
Der Höhepunkt in Punkto Vorträge war für mich Flaschen- und Fasslagerung von Cocktails von Tony Conigliaro. Tony stellte hierbei seine Methode zur Lagerung von Cocktails und die damit verbundene geschmackliche Veränderung vor. Hierzu wird es die nächsten Wochen noch einen ausführlicheren Artikel auf Cocktails Old Fashioned geben.
Auf dem Bild ist Tony mit der von ihm verwendeten Vacuum Still zu sehen. Mit Hilfe dieser lassen sich, über Regulierung des Drucks innerhalb des Behälters, Flüssigkeiten bei geringerer Temperatur als üblich destilieren. Auf diese Art gehen weniger Aromen durch die Erhitzung verloren und es ist sogar möglich, bestimmte Geschmäcker gezielt zu “entfernen”. Dies wird zum Beispiel für holzgelagerte Manhatten Cocktails verwendet. Der fertige Cocktail wird so destiliert, dass die Holzaromen des Whiskies und Wermuts entfernt werden, so dass der Cocktail mehr vom Holz profitieren kann, ohne nach kurzer Zeit zu holzig zu werden: klick.
Am zweiten hatten wir glücklicherweise auch genug Zeit, um uns durch die Produkte der Aussteller zu probieren:
- Tuthilltown Spirits: Alle probierten Hudson Whiskies konnten vollkommend überzeugen. Allen voran der Manhatten Rye und der ungereifte New York Corn Whiskey.
- La Mauny Rhum Agricole: Der XO hat uns durchweg super geschmeckt, der Ruby war leider schon zu holzig.
- Ardbeg Supernova 2010: Kräftig, torfig, rauchig, gut!
- Banks 5 Island Rum: Diesen Rum kennt wohl mittlerweile jeder, der bei Facebook angemeldet ist oder den einen oder anderen Blog liest. Sehr lecker, aber zu teuer und meiner Meinung nach nicht so “gigantisch”, wie er oft dargestellt wird.
- Quorhum Rum: Durchweg toller Rum aus der dominikanischen Republik, welcher sich aber nicht sonderlich von all den anderen süßen, leichten Rums der Region abheben kann.
- Boiron Fruchtpürees: Überaus natürlich schmeckende Pürees, die sich mit Sicherheit gut in Cocktails machen. Leider für Privatpersonen unpraktische Portionen/Verpackungen/Haltbarkeit.
Um unseren Berlinbesuch angemessen ausklingen zu lassen, verbrachten wir den letzten Abend im Lebensstern mit einem Gläschen des für den BCB geöffneten Montebello 1948 Rare Rhum Vieux de la Guadeloupe 55%. Die 42 Jahre im Fass (1990 abgefüllt) stehen diesem Rum außerordentlich gut – genialer Tropfen, leider wieder “etwas” zu teuer für den öfteren Konsum.
Ups & Downs zum BCB 2010 von Fabain, Hannes und Sascha
Ups:
- Verbesserte Zugang zur Messe – keine Wartezeit in diesem Jahr
- Interessante und gute Vorträge zu vielerlei Themen
- Die gesamte Organisation des Convents war besser als im letzten Jahr
- Eine Vielzahl an verschiedenen Messeständen mit großer Auswahl an Spirituosen und anderen Zutaten
- Mehr Messestände als im Vorjahr und besseres Programm an den Ständen
- Mozart Schokoladen Bitters – bin schon sehr gespannt wie er sich in Cocktails macht
- Flaschenreifung von Cocktails: Einfaches, aber interessantes Konzept mit großer Wirkung!
- Aktuelle Berichterstattung zu Vorträgen bzw. der Messe allgemein
- Sehr gute und abwechslungsreiche Berliner Barszene
Downs:
- Wenige komplett neue Produkte (gemessen an der Gesamtzahl der Produkte)
- Kleine Kinder auf dem Convent
- Teurer Kaffee
- Lange Wartezeit beim Buch- und Utensilien-Shop
- Überfüllte Eröffnungsparty im Tausend
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