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Thoughts of a mixology novice

Urlaub in Albanien

Urlaub in Albanien

September 13, 2010 |  by  |  Allgemeines  |  Share

Der Urlaub [in Albanien] ist vorbei – leider, wie ich nun ganz klar sagen kann. Ein unglaublich tolles Land, hilfsbereite und sympathische Personen an jeder Ecke, faszinierende Landschaften und ein eher unterbewertetes Preis/Leistungs-Niveau. Gerade in der Gastronomie waren die Preise für vorzügliche Mahlzeiten gut bezahlbar.

Ein paar schöne Fotos folgen noch, jetzt geht es vor allem um die alkoholische Seite Albaniens.

In Tirana gab es eine Tiki-Bar mit schöner Deko – leider kannte der Barkeeper keine faux-polynesian Drinks, sprach kein Englisch und die Tiki-Mugs schienen den Angestellten nur von deren Arbeitsbekleidung ein Begriff zu sein. Schade eigentlich, denn die Cocktails waren nicht völlig falsch (frisch gepresster Zitronensaft, kaltes Crushed Ice, neues Eis im Glas), leider fehlte ein wenig das Feingefühl. Kein Jigger, alles wurde mit Crushed Ice geschüttelt, Granity-Gläser für alles.

Skenderbeu Konjak… reden wir nicht drüber. Die Standardabfüllung ist ungenießbar (angeblich habe ich sogar eine Originalabfüllung erwischt, oftmals werden die leeren Flaschen mit selbstgebrannten Fusel aufgefüllt und wieder verkauft), den 13 Jahre alten Skenderbeu gab es nirgends zu kaufen.

Verwunderung gab es über das Spirituosenangebot im Supermarkt. Die üblichen Verdächtigen gab es reichlich (Smirnoff, Chivas Regal, Bacardi, Gordon’s…), aber in irgendwelchen Provinzsupermärkten findet man tatsächlich Pampero Especial und – festhalten – Johnnie Walker Blue Label. Wie auch immer die Flasche dorthin gekommen sein mag, der Preis lag leicht über dem deutschen.

Raki ist das dortige Nationalgetränk. In einem Hostel in Berat kam gerade wieder eine 10l-Lieferung von selbstgebrannten Raki an (in PET-Flaschen), dieser sollte besser sein als der von der letzten Lieferung. Ganz ehrlich: Ich will nicht wissen, die letzte Abfüllung geschmeckt haben muss… Ein wenig trinkbarer war der selbstgebrannte Raki eines traditionellen Restaurants. Leider war ich der einzige, der das fand. Die beiden Mädels mochten ihn überhaupt nicht, so blieb wieder alles an mir hängen. ;-(

Der Besuch des Çobo-Weingutes machte dafür einiges wieder wett. Es ist das bekannteste Weingut des Landes, der Präsident und einige Botschafter sind regelmäßige Besucher des Sommerfests. Die Jahresproduktion liegt bei 100.000 Flaschen und die Lagerräume sind sehr übersichtlich. Stolz wurde uns ein internationaler Weinführer gezeigt, in welchem der Betrieb als einziges albanisches Gut positiv erwähnt wird.

Die interessante Führung durch den kleinen Familienbetrieb führte der Besitzer selbst, inklusive spannenden Übersetzungskünsten. Der Mann sprach nur Albanisch und Italienisch. Meine Begleitung und ich können uns nur in Deutsch, Englisch und Französisch verständigen. Glücklicherweise waren noch zwei englischsprachige Besucherinnen dabei, wovon eine gut Spanisch sprach. Da Spanisch und Italienisch wohl halbwegs vergleichbar sind, konnte der Inhaber auf Italienisch erzählen, die eine Besucherin übersetzt ins Englische und meine Begleitung und ich diskutierten einige Sachen auf Deutsch weiter. Fragen wurden via Englisch auf Spanisch gestellt. Das ist multikulturell!

Wir bekamen drei Produkte zum Probieren, Shesh i Bardhë (Weißwein, süffig und lecker, aber nichts Besonderes), Kashmer (Rotwein, voll und süßlich, unglaubliche Fruchtigkeit) und den Raki më Arra (Mit Gewürzen und Nüssen versetzter, gereifter Raki. Milder als die selbstgebrannten und voller im Geschmack). Von den beiden letztgenannten Produkten kam dann auch jeweils eine Flasche mit ins Reisegepäck.

Die Bierbrauereien des Landes stellen ebenfalls ordentliches Bier her. Die Abfüllung zum 50. Geburtstag von Tirana Beer war besonders gut, angenehm starke Malznote. Fast schon wie Altbier. Aber auch die recht herbe Standardabfüllung ist gut, Korça Beer gefiel ebenfalls.

Auf dem Rückweg machte ich einen Stop in den Duty Free Shops und deckte mich in Albanien mit einer Literflasche Beefeater 47 für 9€* ein, in München ging ein Liter Ron Zacapa 23 für 49,50€ (leider die neue Abfüllung, ist mittelmäßig bis brauchbar) in meinen Besitz über und in Düsseldorf gesellte sich eine besonders schöne Flasche Hendrick’s Gin (Literflasche 32,90€) dazu. Besonders schön, weil es eine tolle Beigabe gab. Wie genau man bei Hendrick’s auf “Time for Tea” gekommen ist, weiß ich nicht. Aber die Porzellan-Tasse ist gut verarbeitet und ich finde die Idee lustig, besonders die völlig haarsträubende Erklärung an einer Kartonseite ist höchst amüsant. Die Geschichte gibt es zusammen mit einem Tea Time Drink. ;-)

Das waren die ersten Highlights aus Albanien, wer nun auch auf den Geschmack gekommen ist darf sich gerne melden. Ein Urlaubsland, in dem man mit ein wenig Abenteuerlust noch tolle Erfahrungen sammeln kann!

*In (west)europäischen Duty Free Shops werden Flüssigkeiten in speziellen Tüten eingeschweißt, damit man als Transitreisender keinerlei Probleme bei späteren Kontrollen bekommt. Im albanischen Duty Free werden Flüssigkeiten ebenso in speziellen Tüten eingeschweißt. Diese unterscheiden sich marginal von den europäischen. Wie genau nun eine lebensbedrohende Gefahr entstand, als ich aus dem albanischen Sicherheitsbereich kommend in den deutschen Sicherheitsbereich des Flughafens mit ebendieser verschweißten Beefeater-Flasche eintreten wollte, vermochten mir selbst die Sicherheitskräfte nicht zu erklären. Weil es sich jedoch um eine albanische Tüten handelte, musste ich die Flasche mit Rucksack als Gepäckstück aufgeben (bei Lufthansa immerhin alles kostenlos), sonst wäre sie weggeschmissen worden…

 
1 Kommentar
  1. Geile Tasse! :)

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