Gerade die Spirituosenindustrie hält immer neue Marketingkampagnen für den kaufkräftigen Konsumenten bereit. Sei es nun direkt durch Fernsehwerbung, eher indirekt durch ominöse Blog Battles, noch getarnter durch schmierige Verwandtschaft oder einfach offensichtlich durch schöne Verkaufsverpackungen und unnütze Beigaben, es gibt nichts, was es nicht gibt.
Prädestiniert für kuriose Werbung sind natürlich Unternehmen, die schon ungewöhnliche Produkte anbieten. Im Bereich Gin ist Hendrick’s ein klarer Vertreter dieses Genres. Gin aus Schottland, neben Wacholder mit bulgarischen Rosen und Salatgurken aromatisiert, pro Charge gerade mal 200 Liter, hergestellt aus den geblendeten Destillaten, welche durch zwei alte und seltene Brennblasen erzeugt werden – klingt doch vielversprechend.
Die liebevoll und unterhaltsam gestaltete Website dieses Gins ist schon ein toller Augenschmaus. Was ich jedoch im Duty-Free Shop in Düsseldorf erblicken durfte, erweiterte meinen Horizont, was abgehobene Werbung angeht, erheblich: Ein überdimensionierter Karton, über und über mit klassischen Zeichnungen zu Gin, Cocktails, Gurken und Tee(tassen) überhäuft, welcher eine Flasche Hendrick’s und eine Porzellantasse inklusive Untertasse beinhaltet. Den Gin wollte ich sowieso mal probieren, preislich war es auch attraktiv, und der Sammlerinstinkt schlug sofort durch. Gekauft!
Zu Hause konnte ich die verquere Werbeidee dann endlich einordnen. Voller Selbstüberzeugung behauptet Hendrick’s, dass von den “zweifüßigen Dachshunden aus Borgou in Benin” über die “unglaublichen Schrupfmänner aus Pangkalpinang” bis zur “noblen und wundersamen Erfahrung des Hendrick’s Gins” die sonderbarsten Dinge oftmals die bemerkenswertesten sind. Dies sei der Grund, warum Hendrick’s glaubt, dass teatime viel angenehmer sei, wenn man sich für ein alkoholisches Getränk anstatt des klassischen cup of teas entscheiden würde. Bei der nächsten teatime sollte man das Alltägliche ablegen und sich selbst einen Hendrick’s-Cocktail einschenken.
Am Ende steht für den Hersteller lediglich die Frage, welche Begründung man noch braucht, außer der Tatsache, dass das Leben einfach zu glorreich sei als dass man nicht die skurrilen Genüsse des Hendrick’s Gins erfahren sollte. So simpel und bodenständig sieht die Begründung für das rätselhafte Packing aus.
Außerdem sind drei Rezepte aufgedruckt, die ich euch nicht vorenthalten möchte. Zu dem Klassiker schlechthin unter den Cocktails folgt auch eine kurze Bewertung.
Tea Time Martini
- 6 große Minzblätter
- 1 BL Rosenblütenkonfitüre
- 1.5cl Zitronensaft (frisch gepresst)
- 5cl Gin (Hendrick’s)
- Alle Zutaten in eine Teekanne geben und mit Eis füllen. Kräftig rühren und ziehen lassen (“[...] leave to brew”). Stilvoll und elegant in der Hendrick’s-Teetasse servieren.
Floradora
- 1.5cl Limettensaft (frisch gepresst)
- 1.5cl Himbeersirup
- 5cl Gin (Hendrick’s)
- Ginger Beer*
- Alle Zutaten in den Shaker geben und gut schütteln. Auf Eis in der Teetasse servieren, mit zwei Himbeeren und Limettenscheibe garnieren.
*Idealerweise ohne Kohlensäure…
Ungewöhnlich dürfte bei den beiden Rezepten noch die schmeichelhafte Beschreibung sein und so ganz kann ich auch nicht glauben, dass man ernsthaft den ganzen Drink mit Eis erhitzen soll. Egal – Gin Tonic mit diesem schottischen Produkt hat inzwischen seinen festen Platz in den Barkarten der Welt:
Hendrick’s & Tonic
- 5cl Gin (Hendrick’s)
- Tonic Water
- Hendrick’s auf Eiswürfel geben, mit Tonic auffüllen und mit einer Gurkenscheibe dekorieren.
Schon die Darreichungsform dieses Klassikers ist stark gewöhnungsbedürftig und zieht wohl mehr Aufmerksamkeit auf sich als der Drink im Inneren. Eiswürfel in einer Teetasse… wirklich nur als Gag brauchbar.
Aromen sind dann eher dezent vorhanden, klare Wacholdernote mit einer unglaublichen Frische durch omnipräsente Gurke. Unverkennbar auch eine leichte Süße, von der Bitterkeit des Tonic Waters ganz zu schweigen. Geschmacklich setzt sich der olfaktorische Eindruck fort und es zeigt sich von Vorteil, dass man nur sehr wenig Tonic Water neben Gin und Eiswürfel in die Tasse geben kann. Ziemlich mild und ausgeglichen präsentiert der Gin einen leicht verwirrenden Gurkengeschmack, Süße spielt eindeutig auch mit. Abgang wird vom Tonic Water bestimmt. Fazit: Ein sehr leichter und meines Erachtens durchaus angenehmer, wenn auch nicht charakteristischer Vertreter der Gin-Welt.
In diesem Sinne: Time for Tea!
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Interessanter Bericht. Der Tea-Time-Martini klingt lecker, wobei ich mich frage wo ich Rosenblättermarmelade herbekomme.
BTW:
"to brew" kann auch "ziehen lassen" heissen.
Klar, "ziehen lassen" wird gemeint sein.
Deutsche Rezepte namens Rosenblattkonfitüre / Rosenblütenkonfitüre scheinen sehr unterschiedlich zu sein, aber "rose petal jam" führt zu recht einfachen und brauchbaren Ergebnissen.
Diese Anleitung macht einen guten Eindruck: http://www.wikihow.com/Make-Rose-Petal-Jam
Ich ändere den Eintrag in dieser Hinsicht nochmal kurz ab…