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Thoughts of a mixology novice

Mai Tai - Teil 1

Mai Tai – Teil 1

August 17, 2010 |  by  |  Cocktails  |  Share

Um den vielleicht bekanntesten Tiki-Drink weltweit soll es heute gehen. Gleich dreimal.

Die enorme Bekanntheit tat diesem Cocktail in der Vergangenheit nicht gut. Schon die Entstehungsgeschichte ist voller Unklarheiten, Don the Beachcomber und Trader Vic stritten sich gar bis zu einer Gerichtsverhandlung darum, den Titel “Erfinder des Mai Tais” tragen zu dürfen. Durchsetzten konnte sich Trader Vic. Die genaue Geschichte wird es zu einem späteren Zeitpunkt geben.

Bedingt durch die zunehmende Popularität und die Tatsache, dass dieser doch recht starke Drink mit minderwertigen Zutaten scheußlich schmeckt, kamen immer mehr Mai Tais mit zusätzlichem Ananas- oder Orangensaft auf, auch wurde gelegentlich Grenadine zum “Verfeinern” verwendet. Man machte vor nichts halt. Leider ist vielen genau so ein Rezept in Erinnerung, wenn man einen Mai Tai serviert. Daher zeigt dieser Cocktail besonders gut, was hochwertige Zutaten ausmachen können. Glücklicherweise ist die Diskussion um die klassische Zubereitung des Drinks weitestgehend abgeschlossen und unstrittig.

Zwar musste selbst Trader Vic das Rezept mehrmals anpassen, um nicht mehr verfügbaren Rum auszugleichen, doch folgende Version ist wohl die brauchbarste Anlehnung an das Originalrezept:

Mai Tai

  • 3cl Limettensaft (frisch gepresst)
  • 1.5cl Orange Curacao (Marie Brizard)
  • 0.75cl Orgeat (Giffard)
  • 0.75cl Rohrzuckersirup (Giffard)
  • 3cl gereifter Jamaikanischer Rum (Appleton Extra)
  • 3cl gereifter Martinique Rhum (?)
  • Alle Zutaten mit Eiswürfeln gut schütteln und auf Eis in einen Tumbler oder ein Rum Barrel geben. Mit Limettenscheibe und Minzzweig dekorieren, inklusive Trinkhalm servieren.

Das Rezept ist die aktuelle Version aus Beachbum Berry Remixed, die Zubereitung wurde leicht angepasst. Oftmals findet sich das Rezept auch mit nur 2cl Limettensaft. Ich bevorzuge jedoch die 3cl Version, diese entspricht auch mehr dem ursprünglichen Rezept, dort wurde der Saft einer ganzen Limette verwendet.

Mein bisheriger Plan sieht vor, fünf Teile zum Mai Tai zu veröffentlichen:

  1. Welcher (günstige) Rhum Agricole ist empfehlenswert?
  2. Jamaika Rum, die Kraft des Mai Tais
  3.  Mit oder ohne Crushed Ice?
  4. Überraschung!
  5. Die Entstehungsgeschichte

Rhum Agricole soll den starken jamaikanischem Rum ein wenig dämpfen, ohne jedoch seine Kraft auf Kosten des Aromas und des Geschmacks zu minimieren. Beide sollen ein aufregendes Zusammenspiel eingehen, wobei der Rhum Agricole für das gewisse Extra sorgt. Daher bringt es auch nicht immer etwas, einen lang gelagerte Rhum zu verwenden, da die Frische, die Spritzigkeit verfliegen und oftmals durch Holz und Röstnoten ersetzt werden. Ein zu junger darf es aber auch nicht sein, dieser wäre schwierig “einzubinden”.

Standardempfehlung war dazu bisher der Saint James Royal Ambre (2 Jahre gereift). Ich wollte in einem ähnlichen Preissegment bleiben und habe mich daher für den Dillon Cigar Reserve (keine Altersangabe) und den Duquesne Élevé Sous Bois (18 Monate gereift) entschieden.
Dillon fällt ein wenig aus der Reihe, einerseits wurde dieser Rhum speziell mit Tabakaromen (zum Genuss mit einer Zigarre) gemischt, andererseits konnte ich keine Quelle auftun, die mir verlässlich beantworten konnte, ob es sich um einen Rhum Agricole oder nur um einen Rhum aus Martinique handelt. Der Hersteller antwortete nicht auf meine Frage, auf der Flasche steht nichts von Agricole oder AOC, aber einige Onlinehändler haben ihn als Rhum Agricole gelistet.
Gründe genug, auch ihn zu probieren.

Der Test erfolgte mit meinem Vater sowie meinem Bruder, die beiden wussten nicht, in welchem Glas welcher Rum ist.

Mai Tai – Teil 1: Verkostungsotizen

  • Erscheinungsbild: Dillon macht den dunkelsten Drink, ein sattes Golgelb mit leichtem Orangestich. Duquesne ist deutlich heller, St. James liegt irgendwo dazwischen. Die Textur des Drinks ist gleich, ein wenig transparent und leichter Schaum.
  • Geruch: Der Mai Tai mit Duquesne offeriert erdige, starke Rumnoten, die gut in das sonstigen Geruchsbild integriert sind. Fast schon schwach und leicht präsentiert sich dagegen Dillon, wobei eine gewisse Schärfe mitschwingt. Ausgewogen und ein wenig fruchtig kommt der Drink mit St. James daher, feine Rum- und Mandelnote.
  • Geschmack: und (im positiven Sinne), fruchtig und voll, jedoch mit präsenter Rumnote, zeigt sich Dillon Cigar Reserve im Mai Tai. Kein Vergleich zum eher schwachen Geruch. Die Power dahinter merkt man an einer leichten Schärfe im Abgang. Unser zweiter Testkandidat, St. James Royal Ambre, kommt dort nicht so gut weg. Ein nicht näher definierbarer, unpassender Geschmack schwingt mit. Der Rum ist zu stark, zu eigenständig und passt sich nicht gut den anderen Zutaten an. Dadurch ist der Drink am Gaumen zu süß, der Abgang hingegen zu säuerlich. So ist der Mai Tai nur trinkbar, aber kein Hochgenuss! Duquesne hält im Geschmack, was der Geruch verspricht. Zwar leicht wässrig auf der Zunge und etwas dezenter als der Dillon, aber doch ein runder, schöner Rumgeschmack, eingefasst von einem Mandel- und leichten Orangenaroma.
  • Fazit: Überraschend, dass der bisher benutzte St. James im Vergleich so schlecht abschneidet. Er ist gewiss kein unbrauchbarer Rhum, aber im Mai Tai kann er nicht punkten. Die Entscheidung zwischen Dillon und Duquesne ist schwierig, sie sind beide auf ungefähr einem Niveau. Aber eine Nasenlänge liegt für mich Duquesne vorne, der Mai Tai gerät mit ihm ein wenig aufregender.

Das war Teil 1 und das Fragezeichen im Rezept kann durch Duquesne Élevé Sous Bois ersetzt werden. Um den kräftigeren Gegenpart des Mai Tais geht es dann demnächst.

Update: In einem Blindtasting wurde die Qualität des Duquesne übrigens bestätigt. :-)

 

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