Cocktails Old Fashioned

Thoughts of a mixology novice

Mojito

Mojito

July 4, 2010 |  by  |  Cocktails  |  Share

Mit einem Mojito vor sich über ebendiesen zu schreiben, nachdem man grillte und nun den lauen Sommerabend auf der Terrasse ausklingen lässt – daran kann man sich durchaus gewöhnen. Besonders, wenn als nächster Tag ein arbeitsfreier Sonntag lockt.

Wann und wo dieser Cocktail erfunden wurde, kann nicht genau geklärt werden. Es ist zu vermuten, dass – bedingt durch die Prohibition und den damit verbundenen Alkoholtourismus – Amerikaner den Mint Julep auf Kuba bekannt machten und sich durch die lokalen Voraussetzungen (Rum und Limetten) der Mojito entwickelte. Als Geburtsstätte wird oftmals das “Bodeguita del Medio” gehandelt, wo Ernest Hemingway den Mojito angeblich am liebsten trank. (Vgl. Diffordsguide #7 – Seite 249)

Die Einordnung dieses Drinks ist ebenso kritisch. Am ehesten würde ich ihn als Collins mit Minze bezeichnen, hier sehe ich die größten Parallelen. Es gibt natürlich auch andere Einordnungsversuche, Brandl bezeichnet ihn etwa als Fancy.
Über die richtige Zubereitungsweise kann man sich herrlich streiten. Mit oder ohne Limettenstücke, mit oder ohne Minzblätter im Drink, mit Rohrzuckersirup oder kristallinem Rohrzucker, geschüttelt oder gerührt, mit Crushed Ice oder Eiswürfeln. Mein momentanes Lieblingsrezept sieht wie folgt aus:
Bild eines Mojitos

Mojito

  • ~15 Minzblätter (Mojito- oder Hemingway-Minze / auch Marokkanische Minze möglich)
  • Saft einer frisch gepressten Limette
  • ~2.5cl Rohrzuckersirup (Giffard)
  • 7cl junger Rum (Caney Oro Ligero)
  • Soda (Siphon)
  • Minzblätter sanft stößeln, Limette auspressen und Rohrzuckersirup dazugeben. Unbedingt das süß-saure Verhältnis abschmecken! Rum hinzufügen und mit Volleiswürfeln gut schütteln.
    In ein Longdrinkglas auf Nugget Ice abseihen und mit Soda auffüllen (nicht ertränken!). Als Dekoration einen Minzweig in das Glas stecken.

Eine kurze Erklärung zu dieser Variation des Mojitos:

  • Pfefferminze ist zu scharf in Cocktails, andere Inhaltsstoffe würden überlagert werden. Ein Mojito muss nach Minze schmecken – aber nicht nur.
  • Eine ausgepresste Limette hat gegenüber einer gestößelten, welche im Glas verbleibt, den Vorteil, dass keine Bitterstoffe während des Trinkens mehr freigesetzt werden können. Zudem lässt sich dadurch das Verhältnis zum Rohrzuckersirup besser bestimmen.
  • Dieser könnte tatsächlich durch Rohrzucker ersetzt werden, aber nur, wenn er sich auflöst. Dies setzt wiederum recht feinen Rohrzucker voraus. An dieser Stelle vereinfache ich mir gerne das Leben und bewahre mir wieder die Möglichkeit, vorher abschmecken zu können.
  • Meiner Meinung nach muss ein Mojito spritzig, frisch sein, aber ohne unnötige alkoholische Schärfe. Übermäßig gelagerter Rum wäre fehl am Platze, ein mittellang gereifter Rum wie der Caney bietet eine schöne Balance und die Menge kann nach Belieben durchaus erhöht werden.
  • Grundsätzlich ist dies einer der wenigen Drinks, denen ein Rum im kubanischem Stil gut steht. El Dorado White oder Cartavio Silver bieten sich daher nicht an. Havana Club 3 Añejos ist durchaus brauchbar, Matusalem Platino oder der Caney Oro Ligero sind jedoch die bessere Lösung.*
  • Soda und Mineralwasser, ein ebenso langes Streitthema. Ich habe mir günstig über eBay ein altes Soda Siphon gekauft und kann stilecht mein eigenes Wasser benutzen.
    Sollte man Mineralwasser benutzen, dann empfiehlt sich welches mit viel Kohlensäure und Natron.
  • Drinks mit Sirup schüttele ich prinzipiell, dadurch werden der Minze zudem noch weitere Aromen entlockt.
  • Meiner Meinung nach passen weder Crushed Ice (schmilzt mir bei heißem Wetter zu schnell) noch Eiswürfel (erschlagen den Drink im Glas) zum Stil des Mojitos. Nugget Ice ist dort meine erste Wahl, ein schönes Zwischenmaß.
  • Der letzte Punkt: Wer mag, kann noch ein paar Minzzweige mehr als Deko zwischen Eis und Drink geben, es könnte aber die Minze im Laufe des Trinkens überhand nehmen. Mir reicht ein Zweig.

*Es gibt einige Geschmacksverirrte, die Blue Bay an dieser Stelle empfehlen. Es ist … interessant. ;-) Im Ernst, wer diesen Rum mag, findet mit dem Mojito einen Paradedrink zum Ausprobieren. Mein Fall ist es nicht.

Dies soll keineswegs das “ultimative Mojitorezept” sein oder gar das originale Rezept. Beim Mojito ist so gut wie nichts geschichtlich überliefert (s.o.). Daher lässt sich auch keine ursprüngliche Zubereitung finden und wer behauptet, diese gefunden zu haben, sollte kritisch beäugt werden. Mir gefällt er so am Besten. Es gibt sicherlich noch weitere empfehlenswerte Ansätze diesen Drink zuzubereiten. Wer mag, kann seine Lieblingsversion ja auch vorstellen.

Nach all diesen Überlegungen: Viel Spaß mit eurem Mojito!

 

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