Cocktails Old Fashioned

Thoughts of a mixology novice

Hell in the Pacific

Hell in the Pacific

July 22, 2010 |  by  |  Cocktails  |  Share

Gestern wurde ein empfehlenswertes Rezept für süß-saure Spareribs – aus der Tiki-Ära – vorgestellt. Dazu darf natürlich ein passender Cocktail nicht fehlen. Wie schon geschrieben, die Speise aus dem Luau’s ist ziemlich stark und eigenständig im Geschmack. Ich finde, dass Cocktails generell nur selten direkt zu einer Mahlzeit passen, in diesem Fall sogar überhaupt nicht. Aus diesem Grund ist dies ein schöner Drink kurze Zeit nach dem Essen. Er hat zudem Unmengen an Kraft um den Gaumen auf den Geschmackswechsel vorzubereiten. Doch seht selbst!

Hell in the Pacific

  • 2.25cl Limettensaft (frisch gepresst)
  • 1.5cl Maraschinolikör (Luxardo)
  • 0.75cl Granatapfelsirup (Giffard)
  • 4.5cl overproofed Rum (Lemon Hart 151)*
  • Mit einer Menge Crushed Ice gut schütteln. Anschließend alles ohne zu strainen in eine Pilstulpe geben und ggf. mit Eis auffüllen. Mit amerikanischer und japanischer Flagge, in ein Limettenviertel gepickt, garnieren und mit Trinkhalm servieren.

*Originalempfehlung des Rezeptes, Anmerkung weiter unten

Um Unklarheiten aus dem Weg zu räumen, möchte ich noch ein paar Worte zur Zubereitung verlieren.

  1. Lemon Hart 151 ist ein overproofed Rum, welcher in Europa inzwischen gar nicht mehr, zuvor immer nur sporadisch, und inzwischen selbst in den USA so gut wie nicht mehr erhältlich ist. Leider hatte ich nie die Chance diesen Rum zu probieren, doch er soll eine Offenbarung im Bereich der overproofed Rums gewesen sein. Dieser Drink steigt und fällt somit mit der richtigen Substitution dieses Rums. Ein kompletter Austausch durch Goslings 151 war zwar brauchbar, aber sicherlich nicht das, was früher unter diesem Namen verkauft wurde. Interessanter war eine 50/50 Mischung von Wray&Nephew White Overproof und Goslings 151. Der Wray&Nephew brachte eine leichte Frucht- und Schokoladennoten ein, der Goslings sorgte für unbändige Kraft und starke Melassetöne.
  2. Durch den vergleichsweise hohen Alkoholanteil ist eine gewisse Verwässerung durchaus erlaubt. Trotzdem sollte man nur mit Crushed Ice schütteln, wenn dieses wirklich eiskalt und nicht zu klein ist. Im Zweifelsfall lieber kleinere Eiswürfel nehmen. Durch die gewünschte Verwässerung sollte man an dieser Stelle ebenso darauf verzichten einen Strainer zu benutzen. Obwohl es ungewohnt ist. ;-)
  3. Eine Pilstulpe als Cocktailglas? Eigentlich ein Sakrileg und mit dem Cocktailausschank auf Dorffesten assoziiert. Bloß sind Tiki-Drinks anders. Die dürfen auch in ein “pilsener glass”.

Der Reiz dieses Cocktails liegt ganz klar in der alleinigen Verwendung von overproofed Rum als Grundspirituose. Das ist sonst eher selten anzutreffen und schafft – wie man der ersten Anmerkung entnehmen kann – einige Probleme, aber auch einen ganz eigenen Geschmack.

Wie der Drink aussieht, sollte jeder dem Foto entnehmen können. Erwähnenswert ist für mich der leichte Vereisungseffekt durch das viele Eis. Selbst bei 30°C Raumtemperatur!

In der Nase ergibt sich ein voller, tiefer Rumgeruch. Heftige Melassenoten, aber auch eine charakteristische “Dumpfheit”, die dem hohen Alkoholgehalt geschuldet sein dürfte. Nach einiger Zeit offenbaren sich einem dann auch die leichteren Frucht- und Schokoladentöne vom Wray&Nephew, unterstützt vom Granatapfelsirup. Geschmacklich ist festzustellen, dass ein angenehmes Kribbeln auf der Zunge Großes ankündigt. Am Gaumen überwältigender, leider nur wenig diffiziler Rumgeschmack. Erschlägt fast schon weiteres, wird aber im Abgang erst durch die Süße und Fruchtigkeit des Granatapfelsirups eingefangen und dann mit der angenehmen Bitterkeit des Maraschinolikörs einerseits besänftigt als auch abgerundet. Wenn man kein großer Fan dieses Likörs ist, sollte der Anteil vorsichtig reduziert werden. Auch wenn in geschriebener Form der Eindruck erweckt wird, dass eine gewisse Disharmonie vorherrscht: Der Cocktail ist gut ausbalanciert, wenn man denn starken Rum zusammen mit einer leicht bitteren Note mag.

Die Ursprünge dieses Rezeptes liegen in den 1920er-Jahre. Es wurde in dieser Fassung erstmals im Grog Log abgedruckt (und natürlich auch in Beachbum Berry Remixed), nachdem der Bum und sein Team das Rezept für den “Myrtle Bank Punch” (ein Punch für das gleichnamige Hotel auf Jamaika) nahmen und es zum “Hell in the Pacific” veränderten, ganz in der Marnier der frühen Tiki-Bartender. Sie adaptierten karibische Rezepte und machten daraus polynesische Punches. Muss noch erwähnt werden, dass diese nichts mit polynesischer Tradition zu tun hatten?

 
2 Kommentare
  1. Ich hab jetzt nicht weiter drüber nachgedacht, aber war der Pazifikkrieg nicht 1937? Warum also sollte der Ursprung des "Hell in the Pacific" vor dieser Zeit liegen?

    Schöner Blog btw ;)

  2. Saggin' Jowls Ron

    Merci!

    Ein guter Einwand, der Name verwirrt in der Tat. Jedoch liegt der Schlüssel wohl darin, dass es den Drink in dieser Form in der damaligen Zeit noch gar nicht gab.

    Ich kann nur vermuten, dass Beachbum Berry sich einige künstlerische Freiheiten bei der Namensfindung genommen hat, als er aus dem "Myrtle Bank Punch" den obigen Cocktail kreierte und im Grog Log veröffentlichte.
    Schließlich ist der Drink schon recht heftig, genau so, wie der spätere Krieg zwischen den USA und Japan. ;)

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