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Thoughts of a mixology novice

Die Geschichte des Gins Teil 1

Die Geschichte des Gins Teil 1

April 30, 2010 |  by  |  Zutaten  |  Share

In letzter Zeit habe ich mich mit der Lieblingsspirituose vieler Connoiseuren und Barkeepern ein weniger genauer beschäftigt: Gin. In mehreren Teilen werde ich euch nun die weitreichende Geschichte dieser Spirituose vorstellen. Als Quellen für diese längere Artikelreihe dienten mir unter anderem das CLASSmagazine, das Gin Compendium von Gary Regan und auch die Unterlagen zum G´Vine Wettbewerb des letzten Jahres. Ich wünsche euch allen nun viel Spaß beim lesen!

1100er – Ursprung der Destillation

Die Destillation hat ihre Ursprünge in der arabischen Welt. Durch die Übersiedlung der Mauren nach Europa im Mittelalter und ihre Herrschaft in Sizilien kam diese Wissenschaft nach Europa. Es wird vermutet, dass Benediktinermönche in Salemo die neu erworbenen Kenntnisse zur Destillation von Alkohol dazu verwendeten, Heilpflanzen aufzulösen und zu konservieren.

Die (vermutlich) erste Erwähnung

Im 12. Jahrhundert begannen Mönchen und Alchemisten in Europa nach dem „Aqua Vita“ (Wasser des Lebens) zu suchen. Diese frühen Brenner erzeugten Alkohol durch Erhitzen von Wein. Es entstand der Begriff „Burntwine“ aus dem später „Brandy“ wurde.

1269 – Frühe Medizin

Im Laufe der Jahrhunderte verwendeten Ärzte Wacholder bei der Herstellung eines Mittels das Diuretikum (erhöht die Ausscheidung von Urin) genannt wurde. Seit Jahrhunderten wurden mit Wacholder infusionierte Verbindungen genutzt, um Beschwerden des Magens, der Nieren und der Leber zu behandeln.

Der erste schriftliche Hinweis auf ein Wacholder basierendes Tonic ist im Jahre 1269 in einer niederländischen Publikation „Der Naturen Bloeme“ (die „Blume“ der Natur oder das Buch der Natur) von Jacob van Damme Maerlantte zu finden. Diese frühe naturgeschichtliche Enzyklopädie enthält ein Kapitel über Heilkräuter mit Wacholder.

1340er-1700er – Die Pest und der Wacholder

Während des 14. Jahrhunderts tauchte die Beulenpest in Zentralasien auf. In den späten 1340er erreichte sie dann auch Europa, wo sie als der „Schwarze Tod“ bekannt wurde. Diese tödliche Pandemie raffte ein bis zwei Drittel der europäischen Bevölkerung dahin.

Die Menschen in ganz Europa tranken Wacholder Liköre und Elixiere in dem fehlgeleiteten Glauben, sie würden gegen die Pest helfen. Es war auch üblich, Masken gefüllt mit Wacholderbeeren als ein Hindernis für den Erreger zu tragen.

Frühe 1500 – Verbreitung der Destillation

Die Destillation verbreitete sich von Italien aus über die südlichen Weinbauregionen nach ganz Europa, wo im Laufe des 16. Jahrhunderts die Kunst der Destillation von Maische aus Getreide entdeckt wurde. Frühe Destillate wiesen einen vergleichweise geringen Alkoholgehalt auf, waren im Vergleich zu den heutigen Produkten von schlechtem Geschmack und durch Fuselöle verunreinigt. Die Niederländer brachten es zur Verkommenheit der Kunst der Destillation, indem sie aus diesen „Low Wines“ einen stärkeren und reineren Geist durch die sekundäre Destillation hervorbrachten.

1560er – Verbreitung von Spirituosen mit Wacholdergeschmack

Niemand weiß, wann Wacholder das erste Mal mit Alkohol verbunden wurde – es könnten die Mönche des 12. Jahrhundert aus Salerno gewesen sein. Es gibt aber Anhaltspunkte, dass Destillate mit Wacholdergeschmack in den 1560ern durch Hungernot, Flüchtige die in Flandern lebten, hergestellt wurden. Zu dieser Zeit waren Spirituosen mit Wacholdergeschmack in den Niederlande (Holland, Belgien und Teilen Nord-Frankreichs) bereits erhältlich.

1572 – Professor Sylvius de Bouve

Professor Sylvius de Bouve wird allgemein mit der Erfahrung dessen, was wir heute als Genever bezeichnen (aus dem später Gin hervorging) in Verbindung gebracht. Er war Chemiker, Alchimist, ein renommierter Wissenschaftler und Professor, der unter anderem die älteste Universität in den Niederlande, die Universität Leiden gründete (im Februar 1575).

Er destillierte die Maische aus Getreide und fügte ihr Öl aus Wacholderbeeren zu. Dieses Getränk, das den Harndrang stimulieren sollte, nannte er Genever. Heute wird vermutet, dass Lucas Bols dieses von Dr. Sylvius de Bouve erfundene Rezept für sein Destillat verwendete. In Aufzeichnungen aus dem Jahr 1595 ist zu lesen, dass Dr. Sylvius de Bouve einen „Mout Wijn“ mit Wacholdergeschmack verkaufte. Es ist zu vermuten, dass er dies aber bereits Jahre zuvor tat. Es ist darauf hinzuweisen, dass Dr. Sylvius de Bouve oft mit dem deutschen Arzt Franciscus  Sylvius (geboren als Franz de le Boe) verwechselt wird. Er war in den Jahren von 1658 – 1672 an der Leiden Universität in der medizinischen Fakultät tätig und wurde Dr. Sylvius genannt.

1575 – Gründung der BOLS Brennerei

Lucas Bols gründete seine erste Brennerei in Amsterdam im Jahre 1575, wo er vermutlich eine Spirituose mit Wacholdergeschmack herstellte. Da Amsterdam zu dieser Zeit allerdings aus Holzhäusern bestand, wurde ihm verboten in der Stadt seinem Geschäft weiter nachzugehen. Er zog mit seiner Destillerie aus der Stadt an einen nahe gelegenen Bach, dessen Wasser er zur Kühlung seiner Apparate verwendete. Seine Destillerie wurde unter dem Namen „t Lootsje“ bekannt, was soviel bedeutet wie „der kleine Schuppen“.

1585 – Niederländische Courage

Im Jahre 1598 wurden englische Soldaten von Queen Elizabeth I von England in die Niederlande geschickt, um die protestantische Revolte gegen König Philipp von Spanien und seinen katholischen Verbündeten zu unterstützen. Zwanzig Jahre später wurden die Niederlande abermals Schauplatz eines Krieges zwischen England, Frankreich und Spanien der 30 Jahre bis 1648 dauern sollte. In dieser Zeit entdeckten die Engländer die als Genever bekannte Spirituose in den Niederlanden und brachten diese auf die Insel.

 
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