Cocktails Old Fashioned

Thoughts of a mixology novice

Mixology 101

February 20, 2009 |  by  |  Allgemeines  |  Share

Wie fange ich an?
Wie sollte man an das Thema Cocktails mixen heran gehen, falls noch gar keine Erfahrung mit dem Thema gesammelt wurden? Hierzu gibt es sicherlich keine allgemeingültige Antwort, doch hat sich folgendes in der Praxis bewährt:

  1. Herausfinden welche Cocktails man mag. Das ist in Bars oder auch bei Freunden möglich, die sich mit dem mixen schon auskennen.
  2. Sobald man ein paar Cocktails gefunden, die dem eigenen Geschmack entsprechen, sollte man sich auf die Suche nach den Rezepten machen. Dies kann über das Internet gemacht werden oder man kauft sich ein Buch. Bei beidem sollte man aber darauf achten, nicht das erstmögliche Rezept zu verwenden oder irgendein Buch zu kaufen, da es sowohl im Internet viele schlechte Rezepte und auch in Buchhandlungen viele schlechte Bücher gibt. Gute Anlaufstellen für Rezepte sind Cocktail & Dreams, Cocktailscout und die (englische) CocktailDB. Wer sich ein Buch kaufen möchte, sollte am besten mal durch meine Bücherliste schauen oder diesen Thread im C&D Forum lesen.
  3. Nach dem gute Rezepte gefunden wurden, kann man sich entweder alle erforderlichen Zutaten sofort kaufen oder konzentriert sich erstmal auf 2 bis 3 Cocktails mit ähnlichen Zutaten. Ersteres kann schnell sehr ins Geld gehen, aber ermöglicht natürlich mehr Abwechslung. Zweiteres schont den Geldbeutel und man beschäftigt sich intensiver mit den Zutaten, die einem zur Verfügung stehen. Beachten sollte man auch, dass sich der eigene Geschmack mit der Zeit ändert. Die meisten Anfänger mixen erstmal die bekannten, eher fruchtigen und/oder cremigen Drinks, merken aber nach einiger Zeit dass es auch die Welt der “klassichen Cocktails” gibt. Diese verwenden eher weniger Saft/Sirup und legen mehr Wert auf Spirituosen und Liköre. Das ist aber ganz normal und ging mir selbst nicht anders. ;-)
  4. Neben den Zutaten braucht ein angehender Mixologe natürlich auch das entsprechende Werkeug. Für den Anfang genügt ein Shaker, ein Strainer (Sieb), Jigger (Meßbecher), Eiswürfelformen, Saftpresse und je nach Rezepten auch ein Stößel. Den Rest kann man sich nach und nach kaufen. Tipps für günstige und gute Produkte gibt es in meiner Barutensilienliste.
  5. Nun kann es an das eigentliche mixen gehen. Hierbei sollte man sich das erste Mal streng an das gegebene Rezept halten und sich positive, sowie negative Eindrücke notieren. Mit diesen informationen zur Hand, kann das Rezept an die eigenen Zutaten und den eigenen Geschmack anzupasst werden. Dies ist notwendig, da unterschiedliche Produkte der gleichen Kategorie immer ein wenig anders schmecken und es so kein allgemeingültiges Rezept gibt. Ebenso kann eine Zitrone oder Limette saurer sein als eine andere. Der eigene Geschmack ist natürlich auch sehr wichtig, da Person A evtl auf saurere Drinks steht als Person B oder Person C lieber einen ausgeprägteren Spirituosengeschmack vorzieht. All das gilt es zu beachten. Allerdings sollte man natürlich ein Rezept nicht vollkommen verändern und es dann noch unter dem gleichen Namen führen. ;-)
  6. Jetzt kann man sich an das Üben und auswendig Lernen machen. Viel Spaß dabei!

Rühren, Schütteln, Bauen?
Das Schütteln bzw. Rühren eines Cocktails hat das Ziel, diesen so gut wie möglich zu kühlen, aber auch ihn ein bisschen zu verwässern. Letzteres mag sich komisch anhören, jedoch sorgt die geringe Menge Schmelzwasser dafür, dass der Alkohol weniger scharf wirkt und man so den eigentlichen Geschmack besser wahrnimmt. Der Unterschied zwischen diesen zwei Zubereitungsarten besteht darin, dass beim Schütteln kleine Luftblasen und letztendlich auch eine kleine Schaumschicht entsteht, was den Drink trüb werden lässt. Daher wird ein Cocktail meist gerührt, wenn ein Drink nur aus klaren Zutaten besteht, die sich leicht vermischen lassen. So bleibt der resultierende Cocktail schön klar. Eine bebilderte Anleitung für einen gerührten Drink gibt es in dem Anfängerguide des C&D Forums.

Sobald allerdings Sirup, Sahne oder Ei Bestandteil eines Cocktails ist, sollte dieser geschüttelt werden, da sich die Zutaten sonst nicht richtig vermischen und der Cocktail so oder so nicht klar wird. Eine bebilderte Anleitung für einen geschüttelten Drink gibt es in dem Anfängerguide des C&D Forums.

Ein gebauter Drink unterscheides sich von einem gerührten Drink nur darin, dass dieser direkt im Gästeglas zubereitet wird. Eine bebilderte Anleitung für einen gebauten Drink gibt es in dem Anfängerguide des C&D Forums.

Frisch gepresster Saft vs. gekaufter Saft
Limetten- und Zitronensaft sollte man immer frisch pressen, da gekaufter Saft bei weitem nicht an frischen Saft herankommt. Ansonsten empfiehlt es sich, Direktsaft zu kaufen. Dieser ist qualitativ hochwertiger als Saft aus Konzentrat und ist auch nicht viel teurer. Wenn kein Direktsaft erhältlich ist (Maracuja, Cranberry, usw.) sollte ein Nektar mit möglichst hohem Fruchtsaftanteil gekauft werden.

Die Verwendung von Eis
Eis ist ein wichtiger Bestandteil eines Cocktails. Es muss den Drink kühlen, darf ihn aber nicht (übermäßig) verwässern. Daher sollte man immer sehr kaltes Eis, sehr viel Eis, großes Eis und wenn möglichst keine Hohleiswürfel verwenden. Hohleiswürfel haben eine größere Kontaktfläche als normale Würfel und schmelzen so schneller und verwässern einen Cocktail damit auch mehr. Tipps für günstige und gute Eiswürfelformen gibt es in meiner Barutensilienliste.

Vorgekühlte Gläser?
Wenn ein Cocktail ohne Eis im Gästeglas serviert wird (Daiquiri, Martini, usw) sollte das Gästeglas mit Eis und Wasser vorgekühlt werden. Nachdem die Zutaten durch das Schütteln oder Rühren gekühlt wurden, entzieht ein ungekühltes Gästeglas dem Cocktail nämlich kälte, um den Temperaturunterschied auszugleichen – das erwärmt die Flüssigkeit. Da keine Eiswürfel vorhanden sind um den Drink zu kühlen, wird dieser schnell zu warm.

Natürlich können Gläser auch immer vorgekühlt werden, auch wenn Eis in das Gästeglas kommt, aber für daheim ist das wohl ein zu großer Aufwand (und Verschwendung von Wasser). Alternativ kann man die Gästegläser auch in einer Gefriertruhe lagern, doch das erfordert viel Platz (und Strom).

Garnitur
Eine Garnitur sorgt dafür, dass ein Cocktail für den Gast ansprechender aussieht – das Auge trinkt sozusagen mit. Allerdings sollte man die Garnitur eher einfach, aber dafür hochwertig halten. Viele Bars stecken z.B. an einen Zombie einen halben Fruchtsalat, was vielleicht kunstvoll aussieht, aber vom eigentlichen Cocktail zu arg ablenkt. Es geht ja immerhin ums trinken und nicht darum sein Immunsystem mit Vitamin C aufzubessern. ;-)

Haltbarkeit der Zutaten
Vor allem zu Hause spielt die Haltbarkeit von Zutaten eine große Rolle, da viel weniger verbraucht wird, als in einer richtigen Bar. Die meisten Produkte sind aber glücklicherweiße sehr lange Haltbar. Eine kurze Übersicht:

  • Spirituosen: Mit ihren um die 40% Alkoholanteil sind diese nahezu unbgerenzt haltbar. Allerdings sollten sie nicht in direktem Sonnenlicht gelagert werden, da sie sonst an Geschmack verlieren. Ebenso sollte man fast leere Flaschen von hochwertigem Rum, Whiskey, Tequila, usw in kleinere Flaschen umfüllen, so dass die Flüssigkeit nicht zu arg mit dem Sauerstoff in der Flasche reagiert, was den Geschmack auch verändern kann.
  • Liköre (und Wermut): Liköre mit über 20% halten einige Jahre. Liköre mit unter 20% oder einem hohen Sahneanteil (z.B. Baileys), sollten im Kühlschrank gelagert werden, wo sie sich ca. 1 Jahr halten. Wermut hält im Kühlschrank auch mindestens ein Jahr, verändert sich aber ein wenig im Geschmack (was mormal zu vernachlässigen ist).
  • Sirup: Durch den hohen Zuckeranteil halten diese nahezu ewig.
  • Saft: Saft ist im Kühlschrank ca 2-3 Wochen haltbar.
  • Lime Juice Cordial: Dieser hat ebenso einen hohen Zuckeranteil und ist auch außerhalb des Kühlschrankes lange haltbar.

Natürlich sind das nur ungefähre Angaben. Gerade Saft kann auch im Kühlschrank schneller schlecht werden. Daher sollte man im Zweifelsfall lieber ein wenig probieren, bevor man die Zutat in einem Cocktail verwendet.

Umrechnung Zentiliter (cl) in fl. Unzen (fluid Ounce, oz)
Englischsprachige Rezepte werden meistens in flüssigen Unzen angegeben. In den USA entspricht eine fl. Unze etwa 2,95735 Zentiliter und in Großbritanien etwa 2,84131 Zentiliter. Eigentlich immer sind aber die amerikanischen Unzen gemeint, womit man Rezepte in fl. Unzen einfach mit dem Faktor 3 in cl umrechnen kann.

Allerdings gibt es gerade in alten Rezepten eine Vielzahl von verschiedenen Maßeinheiten, welche heute nicht mehr gebräuchlich sind. Stephan Berg vom Bitters-Blog hat hierzu folgende Tabelle veröffentlicht, die die Umrechnung erheblich vereinfacht!

Warum kommt dieser Post erst jetzt?
Inhaltlich gesehen hätte dieser Post an den Anfang meiner Tipps für Anfänger Reihe gehört, jedoch hatte ich diese am Anfang nicht so umfangreich geplant, wie sie mittlerweile geworden ist. Daher werde ich diesen Post nachträglich an den Anfang der Liste stellen, so dass das ganze wieder Sinn macht und der Anfang nicht fast am Ende der Serie plaziert ist.

 
2 Kommentare
  1. Vielen Dank für die tollen Infos!
    Gerade für Anfänger sehr wichtige Tipps und Hinweise.
    Die Tipps zur Garnitur kann ich nur Bestätigen! Weniger ist hier mehr! Es geht um den Cocktail und nicht um die Deko. Diese sollte, wenn möglich, auch zum Cocktail passen, also nicht überall eine aufgeschnittene Physalis an den Gläserrand stecken :)

  2. Muss ich die Spirits im Kühlschrank aufbewahren, oder kann ich diese im Barregal einräumen?
    Super Homepage übrigens! Danke für die Hilfe!

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