Cocktails Old Fashioned

Thoughts of a mixology novice

Bitters

Bitters

February 19, 2009 |  by  |  Zutaten  |  Share

Heutzutage kann man den Begriff Cocktail als generische Bezeichnung für alle Art von gemixten Getränken sehen. Die ursprüngliche Definition eines Cocktails sah früher jedoch folgendermaßen aus:

[A] Cocktail [...] is a stimulating liquor, composed of spirits of any kind, sugar, water and bitters.

Diese Definition wurde erstmals in der Ausgabe vom 13ten Mai 1806 des The Balance and Columbian Repository veröffentlicht. Damals war der Cocktail nur einer von vielen Kategorien (neben z.B. Fizzes, Sours, usw.) und grenzte sich von diesen durch die Verwendung von Bitters ab. Das mittlerweile aus “Cocktail” ein Sammelbegriff geworden ist, liegt einfach daran, dass der Cocktail schnell die beliebteste Drink Kategorie wurde und so umgangssprachlich die Bezeichnung Cocktail immer mehr ins Allgemeine gerutscht ist.

Bitters waren ursprünglich Heilmittel für jede erdenkliche Erkrankung, von Magenproblemen bis zu Schlaflosigkeit. Wie Bitters den Sprung von Medikament zur Cocktailzutat schafften, ist heute leider nicht bekannt. Es könnte aber damit zusammen hängen, dass Apotheker früher noch ein vielseitigerer Beruf war als heute und damals auch viel mit Alkohol experementiert wurde.

Aufgrund des Namens, könnte man meinen, dass Bitters einen Cocktail hauptsächlich bitterer machen würden, doch ist dies in der Praxis gar nicht der Fall (solange man keine halbe Flasche verwendet ;-) ). Bitters geben einem Cocktail mehr geschmackliche Tiefe und vereinen die einzelnen Zutaten besser miteinander. Am treffendsten sind sie mit Salz in Speißen zu vergleichen. Gibt man es richtig dosiert einem Gericht hinzu, schmeckt man das Salz selbst nicht, doch wenn man es weg lässt, fehlt geschmacklich etwas.

Leider ging die Verwendung von Bitters in Cocktails seit Anfang des 20ten Jahrhunderts immer mehr verloren, bis schließlich nach der Prohibition in den USA kaum noch Bitters in Cocktails verwendet wurden. Einzig Angostura Bitters konnte sich über Wasser halten, während alle anderen Marken verschwanden oder nur sehr eingeschränkt vertrieben wurden. Gerade in Europa und Deutschland war es lange Zeit sehr schwer, etwas anderes als Angostura zu erwerben.

Glücklicherweise hat sich über die letzten Jahre hinweg die Richtung wieder gewendet und die Verwendung von Bitters wird langsam aber sicher wieder alltäglich. Vor allem Fee Brothers und The Bitter Truth bauen ihr Angebot immer weiter aus und bringen längst vergessene Produkte zurück in die Bars dieser Welt.

Aromatic Bitters

  • Angostura Aromatic Bitters: Sehr würzig und leicht süß. Unverzichtbar!
  • The Bitter Truth Aromatic Bitters: Genau wie der Angostura Aromatic Bitter sehr würzig, geht vom Geschmack her aber eher Richtung “Weihnachten” und ist weniger süß.
  • The Bitter Truth Jerry Thomas’ Own Decadent Bitters: Dieser Bitters wurde zu Ehren von Jerry Thomas nach einem Rezept aus seinem Bartenders Guide aus dem neunzehnten Jahrhundert hergestellt. Geschmacklich ganz anders als der Aromatic Bitters von TBT – man schmeckt Nelken, Zitrusfrüchte und weniger bitter. Limitierte Abfüllung!
  • Peychaud’s Bitters: Einzigartiger Geschmack und unverzichtbar in einem Sazerac!
  • Fee Brothers Old Fashion Bitters: Nicht so würzig als Angostura und TBT, aber trotzdem sehr aromatisch und weitaus bitterer als der Angostura.
  • Fee Brothers Whisky Barrel Aged Bitters: Dieser Bitters werden für ein paar Monate in gebrauchten Jack Daniels gelagert gelagert, was ihn im Vergleich zum Old Fashion Bitters etwas bitterer macht und die einzelnen Aromen besser vereinigt.
  • Riemerschmid Angostura Bitters: Nicht zu empfehlen!
  • Amargo Chuncho Bitters: Wird in Peru traditionell in einem Pisco Sour verwendet und schmeckt laut verschiedenen Quellen ähnlich dem Angostura Bitters.

Orange Bitters

  • Regan’s Orange Bitters No 6: Würzig, kräfiges Orangenaroma. Super!
  • The Bitter Truth Orange Bitters: Komplex, kräftig, bitter, schön natürlicher Orangengeschmack. Super!
  • Fee Brothers West Indian Orange Bitters: Süß, mit leichter Orangennote und eher künstlichem Geschmack. Nicht zu empfehlen!
  • Angostura Orange Bitters: Sehr kräftiges Orangenaroma, minimal künstlicher Geschmack.
  • Riemerschmid Orange Bitters: Nicht zu empfehlen!

Lemon Bitters

  • The Bitter Truth Lemon Bitters
  • Fee Brothers Lemon Bitters

Verschiedene

  • The Bitter Truth Cellery Bitters: Bevor TBT diesen Cellery Bitters veröffentlichte gab es Jahrzehnte lang keine Alternative. Verwendung findet er fast nur in Rezepten von vor der Prohibition, wobei er auch eine Bloody Mary sehr gut ergänzt oder einem Martini eine spezielle Note gibt.
  • The Bitter Truth Repeal Bitters: Anlässlich des 75ten Jubiläums des Endes der Prohibition in den USA, stellte TBT diesen limitieren Bitters her. Da ich meinen noch nicht aufgemacht habe, zitiere ich mal von den Cocktailwelten: “Sehr harmonisch im Geruch, welcher allerdings nicht viel mit dem Geschmack am Hut hat. Hier fällt einem zuerst die sehr starke Bitterkeit auf. Diese ist geprägt mit viel Kardamom und Curacao-Schalen. Im Nachklang finden sich wiederum der Zimt, sowie Spuren von Karamell.”
  • Fee Brothers Peach Bitters
  • Fee Brothers Mint Bitters
  • Fee Brothers Grapefruit Bitters
 
2 Kommentare
  1. Schöner Bericht und tolle Auflistung!

    Unter den Aromatics kann man noch Amrago Chuncho aufführen. Bei den Fee´s Aged Bitters hast du ein Wort vergessen. Der Bitter wird ich gebrauchten Jack Daniels Fässern gelagert und nicht in gebrauchten Jack Daniels ;-)

    Grüße Christian

  2. Danke, da gehört natürlich noch Fässer dazu. Gebrauchter Jack Daniels wäre ja eher eklig, je nach dem was man darunter versteht. :)

    Amargo Bitters hab ich hinzugefügt.

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