Archive for February, 2009

Hausgemachtes Falernum

Posted in Cocktails, Zutaten on February 23rd, 2009 by Sascha – 1 Comment

Angeregt durch diesen Post auf drinkblog.de, möchte ich kurz über meine eigene Erfahrungen mit Falernum berichten.

Falernum ist ein aus Barbados stammender Rumlikör bzw. Sirup, der aus Rum, Mandeln, Limetten, Zuckersirup und verschiedenen Gewürzen besteht. Wie und wann genau diese Mischung erfunden/entdeckt wurde und sie den Namen Falernum bekam, ist heute leider nicht mehr bekannt. Es gibt zwar hier und da Theorien und verschiedene Hersteller behaupten von sich, das Getränk als erstes erfunden zu haben, aber etwas stichhaltiges gibt es nicht. Fast sicher scheint es zu sein, dass es keinen großen Erfinder gab, sondern dass das Rezept als hausgemachtes Getränk entstand und erst später kommerziell vermarktet wurde.

Ted Haigh (Dr. Cocktail) erforschte in dem Artikel “Barbados in a Bottle” die Herkunft von Falernum, fand aber leider keine Quellen, die weiter als 1930 zurückreichen um die Aussagen verschiedener Hersteller von Falernum zu bekräftigen. Daraufhin beschäftigte sich Darcy O’Neil von Art of Drink in diesem Artikel weiter mit der Geschichte und konnte in einem Archiv folgendes Rezept, aus dem Jahre 1896 finden.

Falernum Recipe (1896)

1 Part Lime Juice
2 Parts Sugar Syrup
3 Parts Rum
4 Parts Water

Add almonds (almond extract) and allow the mixture to rest for a week. After resting bottle and serve over cracked ice with a teaspoon of wormwood bitters or substitute good quality bitters.

“Falernum” (The Philadelphia Inquirer August 2, 1896)

Dieses hält sich verblüffend genau an die Verhältnisse eines Punch Rezeptes: “One of Sour, Two of Sweet, Three of Strong, Four of Weak”. Das Erscheinungsdatum des Artikels könnte theoretisch den Hersteller von John D. Taylor’s Velvet Falernum bekräftigen, der mit einem Rezept aus dem Jahre 1890 wirbt. Allerdings gibt es von anderen Herstellern noch andere Jahreszahlen, die bis 1750 zurückgehen. Darcy schlussfolgert aus diesem Durcheinander, wie oben schon erwähnt, dass es viel wahrscheinlicher ist, dass es viele verschiedene Familienrezepte gab und es einiger dieser Rezepte unabhängig zu einer kommerziellen Vermarktung geschaft haben.

Allerdings gibt es noch eine Geschichte/Legende, wie Falernum zu seinem Namen kam. In einem New York Times Artikel aus dem Jahre 1982 machte Piercy Ward von Mount Gay folgende Aussage:

Once, when a woman was asked for the ingredients, she answered in the dialect, ‘Haf a learn um’ – ‘Have to learn how it’s done.’ Hence the name.

Wie nun Falernum wirklich entstanden ist und wer dafür verantwortlich war, wird wohl ewig ein Geheimnis bleiben. Jedoch steht eines fest: Falernum lässt sich sehr einfach selbst herstellen und es schmeckt fantastisch!

Kommen wir nun zu den verschiedenen Rezepten, die ich bei meiner Recherche im Internet gefunden habe. Eigentlich alle Rezepte basieren mehr oder weniger (indirekt) auf diesem Rezept von Dale DeGroff, welches von Rachel Perlow auf Hobby Bartender freundliche Mengen angepasst wurde. Das eigentlich wichtige Rezept ist aber dieses:

Paul Clarke’s Falernum #8

  • 6 ounces Wray & Nephew Overproof White Rum
  • zest of 9 medium limes, removed with a microplane grater or sharp vegetable peeler, with no traces of white pith
  • 40 whole cloves (buy fresh ones — not the cloves that have been in your spice rack since last Christmas)
  • 1 1/2 ounce, by weight, peeled, julienned fresh ginger

Combine these ingredients in a jar and seal, letting the mixture soak for 24 hours. Then, strain through moistened cheesecloth, squeezing the solids to extract the last, flavorful bits of liquid.

Add:

  • 1/4 teaspoon almond extract
  • 14 ounces cold process 2:1 simple syrup (two parts sugar to one part water, shaken in a jar or bottle WITHOUT HEAT until all the sugar is dissolved)
  • 4 1/2 ounces fresh, strained lime juice

Shake it all together and serve.

Alle sonstigen Falernum Rezepte basieren auf Paul’s Rezept. Um das ganze nicht zu unübersichtlich werden zu lassen, habe ich die restlichen Rezepte in einer Tabelle zusammengefasst:

Falernum

Falernum

COF Falernum #1
Mein eigenes Falernum habe ich kurz vor Silvester nach folgendem Rezept angesetzt:

  • 200ml W&N White Overproof
  • 50ml Lemon Hart Demerara 151
  • 2 Zimtstangen
  • 4x Zeste einer Limette
  • 1 Grüne Kardamom (keine ganze sondern eines dieser kleineren Dinger aus der Hülse)
  • 6 Piment
  • 20 Nelken
  • 50ml blanchierte + geröstete Mandeln (hatte keine Waage da, deshalb in ml )
  • 40ml Ingwer

3 Tage lang ziehen lassen, abseihen und dann den frischen Limettensaft und Zuckersirup hinzugeben.

  • 125 Limettensaft
  • 250ml Zuckersirup (2:1)

Wie man sieht habe ich mich weitesgehend an dem Rezept von Tiki Drinks & Indigo Firmaments orientiert, mit dem Ziel ein mehr Likör statt Sirup ähnliches Falernum zu erhalten. Das Ergebnis hat mir für den ersten Versuch schon äußerst gut gefallen: Schön würzig, leicht süß und den Rum nimmt man auch noch war. Leider waren die 2 Zimstangen wohl doch etwas zu viel dem Guten, so dass ich beim zweiten Versuch den Zimt auf jeden Fall um ca. die Hälfte reduzieren werde. Gleichzeitig werde ich den Mandel und Ingweranteil etwas erhöhen, so dass diese deutlicher werden. Ein Vorteil des Rezeptes ist auch, dass es ohne Probleme lange haltbar ist, auch außerhalb des Kühlschrankes. Der Alkoholgehalt beträgt ca. 25%. Die meisten anderen Rezepte haben durch den hohen Anteil an Limettensaft und Zuckersirup eine deutlich niedrigere Haltbarkeit und sollte im Kühlschrank aufbewahrt werden.

Forgotten Flavours Falernum
Philipp Jäckel und Torben Bornhöft stellen seit einigen Jahren eine eigene Falernum Version in Handarbeit her und verkaufen es mittlerweile an viele Bars in Deutschland und einigen weiteren Ländern. Das FF Falernum unterscheides sich vor allem dadurch von anderen kommerziellen Falernums, dass einen ausgeprägteren Rumgeschmack besitzt und nicht zu süß ist. Ich habe es zwar immer noch nicht geschafft, mir eine Flasche zu kaufen, doch hört man nur sehr gutes über dieses Falernum. Falls jemand keine Lust hat selbst Falernum herzustellen, sollte sich das Forgotten Flavours Falernum bestellen.

Mixology 101

Posted in Allgemeines on February 20th, 2009 by Sascha – Be the first to comment

Wie fange ich an?
Wie sollte man an das Thema Cocktails mixen heran gehen, falls noch gar keine Erfahrung mit dem Thema gesammelt wurden? Hierzu gibt es sicherlich keine allgemeingültige Antwort, doch hat sich folgendes in der Praxis bewährt:

  1. Herausfinden welche Cocktails man mag. Das ist in Bars oder auch bei Freunden möglich, die sich mit dem mixen schon auskennen.
  2. Sobald man ein paar Cocktails gefunden, die dem eigenen Geschmack entsprechen, sollte man sich auf die Suche nach den Rezepten machen. Dies kann über das Internet gemacht werden oder man kauft sich ein Buch. Bei beidem sollte man aber darauf achten, nicht das erstmögliche Rezept zu verwenden oder irgendein Buch zu kaufen, da es sowohl im Internet viele schlechte Rezepte und auch in Buchhandlungen viele schlechte Bücher gibt. Gute Anlaufstellen für Rezepte sind Cocktail & Dreams, Cocktailscout und die (englische) CocktailDB. Wer sich ein Buch kaufen möchte, sollte am besten mal durch meine Bücherliste schauen oder diesen Thread im C&D Forum lesen.
  3. Nach dem gute Rezepte gefunden wurden, kann man sich entweder alle erforderlichen Zutaten sofort kaufen oder konzentriert sich erstmal auf 2 bis 3 Cocktails mit ähnlichen Zutaten. Ersteres kann schnell sehr ins Geld gehen, aber ermöglicht natürlich mehr Abwechslung. Zweiteres schont den Geldbeutel und man beschäftigt sich intensiver mit den Zutaten, die einem zur Verfügung stehen. Beachten sollte man auch, dass sich der eigene Geschmack mit der Zeit ändert. Die meisten Anfänger mixen erstmal die bekannten, eher fruchtigen und/oder cremigen Drinks, merken aber nach einiger Zeit dass es auch die Welt der “klassichen Cocktails” gibt. Diese verwenden eher weniger Saft/Sirup und legen mehr Wert auf Spirituosen und Liköre. Das ist aber ganz normal und ging mir selbst nicht anders. ;-)
  4. Neben den Zutaten braucht ein angehender Mixologe natürlich auch das entsprechende Werkeug. Für den Anfang genügt ein Shaker, ein Strainer (Sieb), Jigger (Meßbecher), Eiswürfelformen, Saftpresse und je nach Rezepten auch ein Stößel. Den Rest kann man sich nach und nach kaufen. Tipps für günstige und gute Produkte gibt es in meiner Barutensilienliste.
  5. Nun kann es an das eigentliche mixen gehen. Hierbei sollte man sich das erste Mal streng an das gegebene Rezept halten und sich positive, sowie negative Eindrücke notieren. Mit diesen informationen zur Hand, kann das Rezept an die eigenen Zutaten und den eigenen Geschmack anzupasst werden. Dies ist notwendig, da unterschiedliche Produkte der gleichen Kategorie immer ein wenig anders schmecken und es so kein allgemeingültiges Rezept gibt. Ebenso kann eine Zitrone oder Limette saurer sein als eine andere. Der eigene Geschmack ist natürlich auch sehr wichtig, da Person A evtl auf saurere Drinks steht als Person B oder Person C lieber einen ausgeprägteren Spirituosengeschmack vorzieht. All das gilt es zu beachten. Allerdings sollte man natürlich ein Rezept nicht vollkommen verändern und es dann noch unter dem gleichen Namen führen. ;-)
  6. Jetzt kann man sich an das Üben und auswendig Lernen machen. Viel Spaß dabei!

Rühren, Schütteln, Bauen?
Das Schütteln bzw. Rühren eines Cocktails hat das Ziel, diesen so gut wie möglich zu kühlen, aber auch ihn ein bisschen zu verwässern. Letzteres mag sich komisch anhören, jedoch sorgt die geringe Menge Schmelzwasser dafür, dass der Alkohol weniger scharf wirkt und man so den eigentlichen Geschmack besser wahrnimmt. Der Unterschied zwischen diesen zwei Zubereitungsarten besteht darin, dass beim Schütteln kleine Luftblasen und letztendlich auch eine kleine Schaumschicht entsteht, was den Drink trüb werden lässt. Daher wird ein Cocktail meist gerührt, wenn ein Drink nur aus klaren Zutaten besteht, die sich leicht vermischen lassen. So bleibt der resultierende Cocktail schön klar. Eine bebilderte Anleitung für einen gerührten Drink gibt es in dem Anfängerguide des C&D Forums.

Sobald allerdings Sirup, Sahne oder Ei Bestandteil eines Cocktails ist, sollte dieser geschüttelt werden, da sich die Zutaten sonst nicht richtig vermischen und der Cocktail so oder so nicht klar wird. Eine bebilderte Anleitung für einen geschüttelten Drink gibt es in dem Anfängerguide des C&D Forums.

Ein gebauter Drink unterscheides sich von einem gerührten Drink nur darin, dass dieser direkt im Gästeglas zubereitet wird. Eine bebilderte Anleitung für einen gebauten Drink gibt es in dem Anfängerguide des C&D Forums.

Frisch gepresster Saft vs. gekaufter Saft
Limetten- und Zitronensaft sollte man immer frisch pressen, da gekaufter Saft bei weitem nicht an frischen Saft herankommt. Ansonsten empfiehlt es sich, Direktsaft zu kaufen. Dieser ist qualitativ hochwertiger als Saft aus Konzentrat und ist auch nicht viel teurer. Wenn kein Direktsaft erhältlich ist (Maracuja, Cranberry, usw.) sollte ein Nektar mit möglichst hohem Fruchtsaftanteil gekauft werden.

Die Verwendung von Eis
Eis ist ein wichtiger Bestandteil eines Cocktails. Es muss den Drink kühlen, darf ihn aber nicht (übermäßig) verwässern. Daher sollte man immer sehr kaltes Eis, sehr viel Eis, großes Eis und wenn möglichst keine Hohleiswürfel verwenden. Hohleiswürfel haben eine größere Kontaktfläche als normale Würfel und schmelzen so schneller und verwässern einen Cocktail damit auch mehr. Tipps für günstige und gute Eiswürfelformen gibt es in meiner Barutensilienliste.

Vorgekühlte Gläser?
Wenn ein Cocktail ohne Eis im Gästeglas serviert wird (Daiquiri, Martini, usw) sollte das Gästeglas mit Eis und Wasser vorgekühlt werden. Nachdem die Zutaten durch das Schütteln oder Rühren gekühlt wurden, entzieht ein ungekühltes Gästeglas dem Cocktail nämlich kälte, um den Temperaturunterschied auszugleichen – das erwärmt die Flüssigkeit. Da keine Eiswürfel vorhanden sind um den Drink zu kühlen, wird dieser schnell zu warm.

Natürlich können Gläser auch immer vorgekühlt werden, auch wenn Eis in das Gästeglas kommt, aber für daheim ist das wohl ein zu großer Aufwand (und Verschwendung von Wasser). Alternativ kann man die Gästegläser auch in einer Gefriertruhe lagern, doch das erfordert viel Platz (und Strom).

Garnitur
Eine Garnitur sorgt dafür, dass ein Cocktail für den Gast ansprechender aussieht – das Auge trinkt sozusagen mit. Allerdings sollte man die Garnitur eher einfach, aber dafür hochwertig halten. Viele Bars stecken z.B. an einen Zombie einen halben Fruchtsalat, was vielleicht kunstvoll aussieht, aber vom eigentlichen Cocktail zu arg ablenkt. Es geht ja immerhin ums trinken und nicht darum sein Immunsystem mit Vitamin C aufzubessern. ;-)

Haltbarkeit der Zutaten
Vor allem zu Hause spielt die Haltbarkeit von Zutaten eine große Rolle, da viel weniger verbraucht wird, als in einer richtigen Bar. Die meisten Produkte sind aber glücklicherweiße sehr lange Haltbar. Eine kurze Übersicht:

  • Spirituosen: Mit ihren um die 40% Alkoholanteil sind diese nahezu unbgerenzt haltbar. Allerdings sollten sie nicht in direktem Sonnenlicht gelagert werden, da sie sonst an Geschmack verlieren. Ebenso sollte man fast leere Flaschen von hochwertigem Rum, Whiskey, Tequila, usw in kleinere Flaschen umfüllen, so dass die Flüssigkeit nicht zu arg mit dem Sauerstoff in der Flasche reagiert, was den Geschmack auch verändern kann.
  • Liköre (und Wermut): Liköre mit über 20% halten einige Jahre. Liköre mit unter 20% oder einem hohen Sahneanteil (z.B. Baileys), sollten im Kühlschrank gelagert werden, wo sie sich ca. 1 Jahr halten. Wermut hält im Kühlschrank auch mindestens ein Jahr, verändert sich aber ein wenig im Geschmack (was mormal zu vernachlässigen ist).
  • Sirup: Durch den hohen Zuckeranteil halten diese nahezu ewig.
  • Saft: Saft ist im Kühlschrank ca 2-3 Wochen haltbar.
  • Lime Juice Cordial: Dieser hat ebenso einen hohen Zuckeranteil und ist auch außerhalb des Kühlschrankes lange haltbar.

Natürlich sind das nur ungefähre Angaben. Gerade Saft kann auch im Kühlschrank schneller schlecht werden. Daher sollte man im Zweifelsfall lieber ein wenig probieren, bevor man die Zutat in einem Cocktail verwendet.

Umrechnung Zentiliter (cl) in fl. Unzen (fluid Ounce, oz)
Englischsprachige Rezepte werden meistens in flüssigen Unzen angegeben. In den USA entspricht eine fl. Unze etwa 2,95735 Zentiliter und in Großbritanien etwa 2,84131 Zentiliter. Eigentlich immer sind aber die amerikanischen Unzen gemeint, womit man Rezepte in fl. Unzen einfach mit dem Faktor 3 in cl umrechnen kann.

Allerdings gibt es gerade in alten Rezepten eine Vielzahl von verschiedenen Maßeinheiten, welche heute nicht mehr gebräuchlich sind. Stephan Berg vom Bitters-Blog hat hierzu folgende Tabelle veröffentlicht, die die Umrechnung erheblich vereinfacht!

Warum kommt dieser Post erst jetzt?
Inhaltlich gesehen hätte dieser Post an den Anfang meiner Tipps für Anfänger Reihe gehört, jedoch hatte ich diese am Anfang nicht so umfangreich geplant, wie sie mittlerweile geworden ist. Daher werde ich diesen Post nachträglich an den Anfang der Liste stellen, so dass das ganze wieder Sinn macht und der Anfang nicht fast am Ende der Serie plaziert ist.

Bitters

Posted in Zutaten on February 19th, 2009 by Sascha – 2 Comments

Heutzutage kann man den Begriff Cocktail als generische Bezeichnung für alle Art von gemixten Getränken sehen. Die ursprüngliche Definition eines Cocktails sah früher jedoch folgendermaßen aus:

[A] Cocktail [...] is a stimulating liquor, composed of spirits of any kind, sugar, water and bitters.

Diese Definition wurde erstmals in der Ausgabe vom 13ten Mai 1806 des The Balance and Columbian Repository veröffentlicht. Damals war der Cocktail nur einer von vielen Kategorien (neben z.B. Fizzes, Sours, usw.) und grenzte sich von diesen durch die Verwendung von Bitters ab. Das mittlerweile aus “Cocktail” ein Sammelbegriff geworden ist, liegt einfach daran, dass der Cocktail schnell die beliebteste Drink Kategorie wurde und so umgangssprachlich die Bezeichnung Cocktail immer mehr ins Allgemeine gerutscht ist.

Bitters waren ursprünglich Heilmittel für jede erdenkliche Erkrankung, von Magenproblemen bis zu Schlaflosigkeit. Wie Bitters den Sprung von Medikament zur Cocktailzutat schafften, ist heute leider nicht bekannt. Es könnte aber damit zusammen hängen, dass Apotheker früher noch ein vielseitigerer Beruf war als heute und damals auch viel mit Alkohol experementiert wurde.

Aufgrund des Namens, könnte man meinen, dass Bitters einen Cocktail hauptsächlich bitterer machen würden, doch ist dies in der Praxis gar nicht der Fall (solange man keine halbe Flasche verwendet ;-) ). Bitters geben einem Cocktail mehr geschmackliche Tiefe und vereinen die einzelnen Zutaten besser miteinander. Am treffendsten sind sie mit Salz in Speißen zu vergleichen. Gibt man es richtig dosiert einem Gericht hinzu, schmeckt man das Salz selbst nicht, doch wenn man es weg lässt, fehlt geschmacklich etwas.

Leider ging die Verwendung von Bitters in Cocktails seit Anfang des 20ten Jahrhunderts immer mehr verloren, bis schließlich nach der Prohibition in den USA kaum noch Bitters in Cocktails verwendet wurden. Einzig Angostura Bitters konnte sich über Wasser halten, während alle anderen Marken verschwanden oder nur sehr eingeschränkt vertrieben wurden. Gerade in Europa und Deutschland war es lange Zeit sehr schwer, etwas anderes als Angostura zu erwerben.

Glücklicherweise hat sich über die letzten Jahre hinweg die Richtung wieder gewendet und die Verwendung von Bitters wird langsam aber sicher wieder alltäglich. Vor allem Fee Brothers und The Bitter Truth bauen ihr Angebot immer weiter aus und bringen längst vergessene Produkte zurück in die Bars dieser Welt.

Aromatic Bitters

  • Angostura Aromatic Bitters: Sehr würzig und leicht süß. Unverzichtbar!
  • The Bitter Truth Aromatic Bitters: Genau wie der Angostura Aromatic Bitter sehr würzig, geht vom Geschmack her aber eher Richtung “Weihnachten” und ist weniger süß.
  • The Bitter Truth Jerry Thomas’ Own Decadent Bitters: Dieser Bitters wurde zu Ehren von Jerry Thomas nach einem Rezept aus seinem Bartenders Guide aus dem neunzehnten Jahrhundert hergestellt. Geschmacklich ganz anders als der Aromatic Bitters von TBT – man schmeckt Nelken, Zitrusfrüchte und weniger bitter. Limitierte Abfüllung!
  • Peychaud’s Bitters: Einzigartiger Geschmack und unverzichtbar in einem Sazerac!
  • Fee Brothers Old Fashion Bitters: Nicht so würzig als Angostura und TBT, aber trotzdem sehr aromatisch und weitaus bitterer als der Angostura.
  • Fee Brothers Whisky Barrel Aged Bitters: Dieser Bitters werden für ein paar Monate in gebrauchten Jack Daniels gelagert gelagert, was ihn im Vergleich zum Old Fashion Bitters etwas bitterer macht und die einzelnen Aromen besser vereinigt.
  • Riemerschmid Angostura Bitters: Nicht zu empfehlen!
  • Amargo Chuncho Bitters: Wird in Peru traditionell in einem Pisco Sour verwendet und schmeckt laut verschiedenen Quellen ähnlich dem Angostura Bitters.

Orange Bitters

  • Regan’s Orange Bitters No 6: Würzig, kräfiges Orangenaroma. Super!
  • The Bitter Truth Orange Bitters: Komplex, kräftig, bitter, schön natürlicher Orangengeschmack. Super!
  • Fee Brothers West Indian Orange Bitters: Süß, mit leichter Orangennote und eher künstlichem Geschmack. Nicht zu empfehlen!
  • Angostura Orange Bitters: Sehr kräftiges Orangenaroma, minimal künstlicher Geschmack.
  • Riemerschmid Orange Bitters: Nicht zu empfehlen!

Lemon Bitters

  • The Bitter Truth Lemon Bitters
  • Fee Brothers Lemon Bitters

Verschiedene

  • The Bitter Truth Cellery Bitters: Bevor TBT diesen Cellery Bitters veröffentlichte gab es Jahrzehnte lang keine Alternative. Verwendung findet er fast nur in Rezepten von vor der Prohibition, wobei er auch eine Bloody Mary sehr gut ergänzt oder einem Martini eine spezielle Note gibt.
  • The Bitter Truth Repeal Bitters: Anlässlich des 75ten Jubiläums des Endes der Prohibition in den USA, stellte TBT diesen limitieren Bitters her. Da ich meinen noch nicht aufgemacht habe, zitiere ich mal von den Cocktailwelten: “Sehr harmonisch im Geruch, welcher allerdings nicht viel mit dem Geschmack am Hut hat. Hier fällt einem zuerst die sehr starke Bitterkeit auf. Diese ist geprägt mit viel Kardamom und Curacao-Schalen. Im Nachklang finden sich wiederum der Zimt, sowie Spuren von Karamell.”
  • Fee Brothers Peach Bitters
  • Fee Brothers Mint Bitters
  • Fee Brothers Grapefruit Bitters

Cocktailvideos im Internet

Posted in Videos on February 12th, 2009 by Sascha – 1 Comment

Bücher und Rezepte lesen ist eine Sache, die eigentliche praktische Umsetzung des Cocktails jedoch eine ganz andere. Mir hat es früher immer sehr geholfen, mir ein Video anzuschauen, in welchem ein (mehr oder weniger) professioneller Bartender die Zubereitung des Cocktails veranschaulicht. Man sieht so besser, wie die Arbeitsweise eines Bartenders aussieht und kann bestimmte Techniken einfacher nachvollziehen. Zum Beispiel war mir die Herstellung/Benutzung einer “Flamed Orange Zest” lange ein großes Rätsel, bis ich es in diesem Video live gesehen habe.

Besonders empfehlen kann ich die Videos von Robert Hess. Seine Videoreihe “The Cocktail Spirit” war die erste, die ich im Internet gefunden hatte und auch wenn mit der Zeit noch andere gute Serien dazu kamen, überzeugt mich seine immer noch am meisten. Zu Beginn einer Sendung, befasst sich Robert Hess erstmal etwas mit der Geschichte des Cocktails, wobei er auch oft die eine oder andere interessante/witzige Anekdote erzählt. Daraufhin macht er sich an die eigentliche Zubereitung und kommentiert die meisten Schritte sehr ausführlich. Klar, auch Herr Hess macht den einen oder anderen Fehler und kann auch keine Karriere als Bartender vorweisen, aber gerade das macht seine Sendungen für mich sympathisch – sozusagem eine Videoreihe von einem Hobby Bartender für andere Hobby Bartender. Mittlerweile ist Robert Hess, gerade in den USA, sehr bekannt, was vor allem an seiner Website Drinkboy.com, dem dazugehörigen Forum (seit kurzem unter “The Chanticleer Society” zu finden) und an seiner Mitarbeit am Amerikanischen Cocktailmuseum liegt.

Viel Spaß beim weiterbilden!

Kostenlose Cocktailbücher

Posted in Bücher on February 10th, 2009 by Sascha – 4 Comments

Im Web gibt es mittlerweile eine stattliche Ansammlung an kostenlos verfügbaren alten und neuen Cocktailbüchern. Die meisten kann man als pdf herunterladen, jedoch nicht drucken, sondern nur am Bildschirm betrachten. Manchmal ist die Qualität auch recht schlecht, aber gerade zum reinschnuppern oder schnell was nachschlagen eignen sich die Ebooks sehr gut!

Neben den vielen Klassikern, findet man darunter auch “The Thinking Bartender” von George Sinclair, welches von der Struktur manchmal etwas zusammengewürfelt wirkt, jedoch viel aktuelles Wissen kostenlos zur Verfügung stellt!

Viel Spaß beim Stöbern!